Wintersleep – Hello Hum

Irgendwie musste es so kommen, dass nach dem phantastischen Album ‚ Welcome to the Night Sky ‚ drei Jahre darauf der kleine Fall in die Tiefe unausweichlich erschien. ‚ New Inheritors ‚ verkomplizierte einige Dinge und wusste oftmals keine Ende zu finden. Es gab keine offensichtlichen Höhepunkte, dafür den Blick auf eine sehr subtile Angelegenheit. Mit der neuen Platte ‚ Hello Hum ‚ wurde das Gesamtbild fehlender Ausreißer beibehalten, lediglich die Tiefe Ihrer Strukturen wurde für mehr Zugänglichkeit gegenüber neue Hörer aufgegeben. Das mag im ersten Moment als Nachteil empfunden werden, doch die Grenzen zu kommerzieller Rock-Musik sind weit entfernt und so spielen sich die Mitglieder von Wintersleep auch dieses Mal durch treibenden Gitarren-Rock, nehmen sich instrumentelle Pausen, wie im sinnlichen und menlancholischen Stück ‚ Saving Song ‚, und lediglich die Suche nach einem experimentellen Stück bleibt bei ‚ Hello Hum ‚ eine vergebliche und aussichtslose.

Im Spätsommer des Jahres 2011 zog sich die Gruppe mit dem schottischen Produzenten und Freund Tony Doogan (BELLE & SEBASTIAN, MOGWAI) und Dave Fridmann (FLAMING LIPS, MERCURY REV, MGMT) in die Tarbox Road Studios in New York zurück, um die neuen Ideen, meist spät nachts mit einem Diktiergerät aufgenommene Schlafzimmer-Demos,  auszuarbeiten. Abgeschieden in den Wäldern, ertönte es dann plötzlich: „“Hello hum. I am the dying lung of the town you left. I was beginning to fear, beginning to fear that you would never come back.“ Und jeder wusste, Wintersleep haben eine neue Platte fertig. Das Eröffnungsstück ‚ Hum ‚ beginnt mit synthetischem Geblubber und sporadisch, perkussiven Rhythmen, während ‚ In Came The Flood ‚ ist dann allerdings der erste richtige Track, bietet unheimlich stimmige Gitarren-Riffs, eine milde Beschichtung an Effekten und auch ‚ Nothing Is Anything (Without You) folgt mit seinem sanften Storytelling dem äußerst gelungenen Auftakt.

Überhaupt lässt sich in der ersten Albumhälfte nichs aussetzen. Wintersleep zeigen hier Ihren besten Sound und schaffen eben dort noch den Sprung auf die gute Seite, bevor sich die zaghaften Andeutungen der letzten Minuten bewahrheiten und die zweite Hälfte zwar weiterhin mit soliden Songs aufwarten kann – diese jedoch am Ende zu einfach zusammengesetzt wurden. Und auch ein ‚ Miasmal Smoke ‚ gibt es auf ‚ Hello Hum ‚ nicht mehr. Akustische Brenner, die mit Ihrer Glut noch bis tief in die Nacht für anschmiegsame Nähe sorgten. Aber trotz dieser Kritik bleibt das neue Album eine starke Fortsetzung der exzellenten Band aus Halifax, Nova Scotia.

6.2