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Prätentiöser Blick aus dem Schatten: Manuela fixiert den Betrachter im fahlen Blaulicht.
ALBUM

Ultraviolet MANUELA

2026
MSTAX ALBUMPROFIL

Dunkel leuchtender Art-Pop zwischen katholischer Folklore und surrealen Träumen: Warum das neue Album ULTRAVIOLET von MANUELA Gernedel eine faszinierende Reise in die verborgenen Schichten urbaner Moralsysteme darstellt.

Eine einzelne, oszillierende Synth-Welle bricht sich im Raum, cathedral-artig und merkwürdig unzeitgemäß. Sie fungiert nicht als schmückendes Beiwerk, sondern bildet das klangliche Fundament, auf dem sich eine eigenwillig rhythmisierte, fast gesprochene Strophe entfaltet. Es ist eine bewusste Verweigerung klassischer Pop-Metrik, die gleich zu Beginn eine spürbare Distanz aufbaut. Der Gesang bricht mit gängigen Hörgewohnheiten, agiert sperrig, fast spröde, fordert eine bewusste Entscheidung ein, sich auf diese klangliche Welt einzulassen.

Inmitten dieser kühlen, synthetischen Ästhetik vollzieht sich auf visueller Ebene des Albumcovers eine interessante Verschiebung. Das Spiel mit dem spärlichen, bläulichen Lichtkegel inszeniert eine bewusste Künstlichkeit, die das Verhältnis von Pose und Authentizität hinterfragt. Es bricht mit der intimen Schärfe der Produktion, indem es eine theatralische Distanz schafft, eine Maskerade, die perfekt mit der latenten Künstlichkeit der Musik korrespondiert. Manuela nutzt diese kalkulierte Ästhetik als Schutzschild und Projektionsfläche zugleich.

Dieses zweite Werk der österreichischen Künstlerin Manuela Gernedel, entstanden in der bayerischen Provinz nach Jahren in London, markiert eine radikale stilistische Verschiebung innerhalb ihrer Diskografie. War das selbstbetitelte Debüt von 2017 noch von einem unbeschwerten, schrägen DIY-Pop geprägt, blickt dieses Album nun auf ein gänzlich verändertes Koordinatensystem. Die damalige spielerische Leichtigkeit ist einer tiefen, fast sakralen Ernsthaftigkeit gewichen. Die Produktion, die sie gemeinsam mit Nick McCarthy und Polina Lapkovskaya übernommen hat, nutzt die Hallräume und die Ornamentik der katholischen Kultur als klangliche Kulisse, um eine fundamentale Transformation des Songwritings voranzutreiben.

Die Einbindung von Gastmusikerinnen wie Laetitia Sadier dient hierbei nicht der bloßen Namedropping-Akkumulation, sondern verschiebt die tonale Statik der Stücke. In „Coniine“ bricht Sadier’s glasklarer Avant-Pop-Gesang die melancholische Schwere der Ballade auf und bettet Zeilen wie „smile gently into a limitless future“ in eine komplexe, bittersüße Textur ein. Die Reduktion der Hooks und die bewusste Verlangsamung des Tempos zeigen eine Bandhistorie, die sich vom unmittelbaren Pop-Akkord verabschiedet hat. Wenn im Titelsong „Ultraviolet“ die Eröffnungsakkorde an Prince’s Monumentalwerk erinnern, wird dies sofort durch eine fast unheimliche, repetitive Kinderreim-Struktur konterkariert, die das Motiv des inneren Dämons verhandelt.

Die stilistische Metamorphose manifestiert sich vollends in der algorithmischen Abkehr von klassischen Songstrukturen. Das Werk funktioniert exklusiv als ein durchdachter Gesamtkörper, der die Bruchkanten zwischen kosmopolitischer Überforderung und ländlicher Isolation vermisst. Durch die dunklen Arrangements und den bewussten Verzicht auf gefällige Auflösungen wird eine tiefgreifende Verschiebung sichtbar, die das Projekt aus den Mustern des Indie-Pops herauslöst und in einem entkernten, theatralischen Chanson-Entwurf verortet.

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Das Album anhören

Anspieltipps: Coniine, Ultraviolet

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