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Silhouettierte Person mit ausgebreiteten Armen im hellen Ausgang einer dunklen, felsigen Höhle.
ALBUM

Mithic LAURA MISCH

2026
MSTAX ALBUMPROFIL

Erdige Melancholie und schroffe Klanglandschaften prägen das neue Werk von LAURA MISCH. Mit einer eigenwilligen Fusion aus kargen Naturgeräuschen und dichten Arrangements fordert das Album ein tiefes Zuhören ein.

Ein zittriges Saxofon-Solo, das wie durch dichten Nebel schneidet, bricht abrupt ab. Zurück bleibt das bloße Geräusch einer Atemlunge, gefolgt von einer collagenartigen Tonspur, in der das Klackern von Kieselsteinen den Rhythmus vorgibt. Diese collagenartige Verweigerung einer klaren Rhythmusstruktur markiert den Einstieg in eine Klangwelt, die sich von jeglicher urbanen Dynamik verabschiedet hat. Die Reduktion der Mittel ist hier kein ästhetisches Accessoire, sondern das fundamentale Konstruktionsprinzip. Wo frühere Arbeiten noch mit flüssigen Übergängen spielten, regiert nun eine bewusste Sperrigkeit, die uns zwingt, sich auf die rohe Materie des Klangs einzulassen.

Die Stimme agiert in diesem System als rein funktionales Element. Sie bettet sich flach in die Textur ein, verzichtet auf melodische Höhenflüge und wird oft von dichten Schichten aus Bläsern und Streichern überlagert. Laura Misch verortet ihr Schaffen in einer Geometrie des Rückzugs, die sich visuell in der Inszenierung des Bildmaterials spiegelt. Die Künstlerin zeigt sich im Gegenlicht einer Höhlenöffnung, entrückt und fast schwebend, ungreifbar im Kontrast zur massiven Schwere des sie umgebenden Felses. Diese visuelle Behauptung einer erhabenen Isolation bricht sich im Verlauf der Stücke an einer bisweilen übertriebenen Produktion.

In Titeln wie “Kairos” wird diese Diskrepanz analytisch greifbar. Die Zeilen „Weathered by the storms / Stories written on my face“ fungieren als strukturelles Bindeglied für ein zutiefst melancholisches Narrativ. Doch die intendierte Schroffheit der Naturerfahrung wird durch den glatten, fast süßlichen Einsatz des Cellos von Katt Newlon abgefedert. Die Ecken und Kanten der mühsam gesammelten Feldaufnahmen versinken in üppigen Arrangements, was dem Album phasenweise die Radikalität nimmt. Das repetitive Element in “Siren” erzeugt zwar eine dichte, pulsierende Magie, doch die zweite Hälfte des Albums neigt dazu, in konventionelle Lounge-Pfade abzudriften.

Die Zusammenarbeit mit Matt Karmil an den Reglern sorgt für eine makellose Tiefenstaffelung, die den natürlichen Hallräumen von Cornwall und Dungeness zwar gerecht wird, dem Material aber auch etwas von seiner Unberechenbarkeit raubt. In “Scrolls” zeigt sich diese Ermüdung durch unpräzise abgemischte Drum-and-Bass-Elemente, die merkwürdig unverbunden neben den reduzierten Gesangspassagen stehen. Die strukturelle Grenze dieses formalen Systems liegt in seiner eigenen Unschlüssigkeit zwischen radikaler Ökoakustik und gefälligem Art-Pop.

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Das Album anhören

Anspieltipps: Kairos, Siren, Scrolls

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