LILY ALLEN Sheezus
Zwischen Ironie, Image und Identitätskrise: Wie sich LILY ALLEN mit SHEEZUS in ihrem eigenen Spiel verliert und das Pop-Statement der Rückkehr in eine selbstinszenierte Ratlosigkeit verwandelt.
Nach fünf Jahren Pause kehrt Lily Allen zurück und versucht, sich in einem veränderten Pop-Universum neu zu positionieren. „Sheezus“ trägt diesen Anspruch schon im Titel: eine Mischung aus Größenwahn, Selbstironie und Selbstschutz. Doch das, was einst ihre Stärke war – der wache, bissige Blick auf das eigene Umfeld – verliert sich hier in Überkompensation. Der Einstieg mit dem Titelsong wirkt wie ein Kommentar auf den Pop-Zirkus, den Allen gleichzeitig verachtet und braucht. Wenn sie „Give me that crown, bitch, I wanna be Sheezus“ singt, klingt das weniger wie ein Kampfruf, mehr wie eine erschöpfte Wiederholung alter Rollen.
Das Album changiert zwischen satirischem Pop und unentschlossenem Selbstzitat. Produzent Greg Kurstin liefert elegante Oberflächen, doch dahinter bleibt vieles leer. „Hard Out Here“ will feministisches Empowerment liefern, wird jedoch durch den zynischen Ton seiner Autorin ausgehöhlt. „Insincerely Yours“ und „URL Badman“ zeigen, wie präzise Allen gesellschaftliche Typen karikieren könnte, wenn sie sich trauen würde, die eigenen Abwehrmechanismen zu durchbrechen. Stattdessen schwankt sie zwischen moralischer Belehrung und ironischer Distanz. Selbst aufrichtige Momente wie „Take My Place“, das den Verlust ihres ersten Kindes behandelt, wirken eingebettet in ein Album, das seine Emotionalität lieber mit Augenrollen kontert als mit Mut zur Verletzlichkeit.
Das Cover – Allen auf den Stufen eines prunkvollen Eingangs, umgeben von Hunden – bringt das Dilemma visuell auf den Punkt. Es zeigt Reichtum, Überdruss, Distanz. Sie blickt nicht hinaus, sondern hinein in eine Welt, die sie selbst geschaffen hat. Ihre Pose erinnert an Aristokratie und Einsamkeit zugleich. „Sheezus“ hätte eine kraftvolle Rückkehr werden können, ein feministisches Pop-Manifest mit Witz und Schärfe. Stattdessen zeigt es eine Künstlerin, die ihre eigenen Spiegelungen zu lange betrachtet.
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