Laura Fell – Safe From Me

SAFE FROM ME ist ein wirklich exzellentes Album, ein trügerisch reifes Debüt einer hochtalentierten Künstlerin. Wir werden noch viel mehr von LAURA FELL hören. Versprochen!

Die Tatsache, dass Laura Fell ein Psychotherapeutin ist, bietet Musikautoren einen fruchtbaren Boden; eine Gelegenheit, sich mit den abgedruckten Informationen zum Inhalt und den Songtexten tiefgreifend zu beschäftigen, um Aussagen und Anleitungen zu extrahieren. Aber „Safe From Me“ ist weit entfernt von einem Selbsthilfehandbuch, es ist ein tiefer aufklärender Sprung ins eigene Ich. Fell versucht, den Mörtel der Wände, die wir um uns herum bauen, aufzubrechen und eine persönliche Reflexion in der Hoffnung auf Verständnis zu erzeugen. Sich selbst zu entblößen und die ausgerufenen Ratschläge auch auf sich selbst anzuwenden und zu akzeptieren, dass es keine schnellen Lösungen gibt, sondern nur beschwerliche Reisen in das Ungewisse, gehören auch zu den schwierigen Elementen Ihres eigenen Lebens. 

Die Ernsthaftigkeit, mit der sie sich dieser Selbstanalyse unterzieht, zeigt sich in der makellosen Kuration der acht Tracks, aus denen „Safe From Me“ besteht. Die Songs wurden nur mit Hilfe einer Akustikgitarre komponiert und entwickelt. Als Laura jedoch erkannte, dass diese Songs eine wesentlich reichhaltigere Textur verdienen, hatte sie drei Jobs inne, um die Dienste eines kleinen Teams von Hintergrundmusikern und der Flügelhörner finanzieren zu können. Saxophone und Kontrabass, die nun ebenfalls auf dem Album zu hören sind, waren in der Tat eine kluge Investition. Die Summe der Teile ergibt ein exquisites Album, das man immer wieder hören möchte.

„Safe From Me“ ist auch ein kurzes Album, aber jeder Titel ist ein Hauptgewinn. Wenn Laura’s Stimme einen nicht von Anfang an zum Zittern bringt, ist das wahrlich ein bedauernswerter Umstand. Das Album beginnt mit „Glad“ und einer himmlischen Stimme, die mit subtilen Instrumenten und Percussion unterlegt ist, um dem Song ein orientalisches Gefühl zu verleihen, das Laura’s kürzlich geschiedenen Eltern tröstende Worte spendet. Die erste Single „Bone of Contention“ summt mit leiser Bedrohung, die Schönheit und Eleganz der Musik steht dem beunruhigenden Klang der Worte gegenüber. Songs wie „Cold“ und „Safe From Me“ schaffen dagegen eine beinahe unheimliche und eindrucksvolle Atmosphäre. 

In der Tat trägt die zusätzliche Instrumentierung manchmal zur Geschichte der Songs bei und erhöht die Tiefe von Fell’s Worten. Die Hauptattraktion von „Safe From Me“ bleibt jedoch einfach Fell’s Stimme, die Vergleiche mit der neuseeländischen Sängerin Aldous Harding hervorruft. Das Album als Ganzes ist so gehaltvoll, wie man es sich nur wünschen kann, und obwohl es verheerend direkt ist, bleibt es nie hängen. Für jeden dunklen Moment der nächtlichen Angst gibt es einen darauffolgenden Sonnenaufgang. Letztendlich ist „Safe From Me“ eine subtile Meisterklasse im Bereich Alternative Folk und verdient es, mehr als nur ein verstecktes Juwel zu bleiben.

9/10