Kylie Minogue – X

Die beste Zusammenfassung von KYLIE MINOGUE stammt aus einem Grant Morrison’s Zenith Comic von 1992: „Kylie is Vera Lynn for Third World War“, schreit ein acht Fuß großer Raver Roboter, und obwohl es damals niemand wissen konnte, hatte er Recht.

Als Kylie Minogue’s unbändiges Teenie-Zwitschern Ende der 80er Jahre die britischen Charts dominierte, bedauerten Kritiker sie, obwohl sie selbst eingestanden hatten, dass sie selbst eine sympathische Persönlichkeit war. Minogue’s Karriere schien oft eine Reihe von Versuchen zu sein, diese grundlegende Sympathie zu erweitern – um der Mischung Sex, Glaubwürdigkeit oder Modernismus hinzuzufügen. Die Hauptbarriere ist im Allgemeinen ihre Stimme: Dünn, leicht nasal und anfällig für Belastungen, ist es ein 128 kbps Instrument in einer 320 kpbs Welt. Doch Minogue war schon immer geschickt genug, um Material auszuwählen, das zu ihr passt. Die erste Single „2 Hearts“ auf „X“ ist ein gutes Beispiel: Ein Electro-Rock-Vamp, der auf Goldfrapp deutet, sich um schwere Pianorollen dreht und alle Kriterien eines guten Comebacks erfüllt. Zugleich ist es ein unerwarteter Stilschritt, es spielt ihre Stärken aus und kopiert sich selbst oder ihre Kolleginnen nicht.

Ein Großteil der Platte ruft verschiedene Epochen auf – keine verallgemeinerten Jahrzehnte als solche, sondern Epochen in Kylie’s eigenen Werdegang. Die meisten Tracks könnten in frühere Arbeiten passen und die Frage beantworten: Was macht eine Popkünstlerin, wenn sich der Kreis schließt? Sie wurde in letzter Zeit von der 70er Disco und dem 80er Electro beeinflusst, aber mit „X“ scheint Kylie beschlossen zu haben, sich von Kylie selbst inspirieren zu lassen. Minogue, die hier die Hälfte der Song selbst geschrieben hat, bietet keine neuen lyrischen Einsichten, aber sie hört sich an, als hätte sie eine verdammt gute Zeit. Sie liefert Gott-weiß-wie-viele elektronische Roboterstimmen während des gut gemachten „Speakerphone“, aber im Gegensatz zu Britney’s Telefonstimme in „Blackout“ stockt Minogue nie ein einziges Mal und trifft jedes Mal ins Schwarze. 

Kylie’s größte Tracks aller Zeiten („Shocked“, „Too Far“, „Come Into My World“ und „The Locomotion“) haben eines gemeinsam: Sie sind erstklassige Momente der Flucht, dreiminütige Freudenschübe, die nichts weniger als perfekte Brillanz abliefern. „Wow“ könnte da reinpassen: Es ist vollgepackt mit peppigen Melodien, die sich um eine einfache, süchtig machende Klaviermelodie drehen und anschließend in die Pop Stratosphäre geschossen werden. Es ist großartig zu hören, dass Minogue noch genauso viel Spaß hat, wie vor 20 Jahren bei „The Loco-Motion“. Die Sympathie hat Kylie Minogue so weit gebracht und diese ist auch auf „X“ ungebrochen – sie lässt selbst die schwachen Tracks auf „X“ begeisternd funkeln.

7/10