Kylie Minogue – Golden

In einer Welt der Wegwerfmusik ist die Rückkehr von KYLIE MINOGUE willkommen und zeigt über weite Strecken, wie raffiniert und intelligent Country Pop gemacht werden sollte.

In ihren über 30 Jahren als Star haben wir viele Versionen der Kylie Minogue getroffen. Zuerst lernten wir die Vintage-Pop Kylie kennen („The Loco-Motion“), gefolgt von Sophisti-Kylie („Shocked“), Dance Kylie („Confide in Me“), Indie Kylie („Impossible Princess“), Disco Kylie („Spinning Around“) und natürlich die Kraftwerk Kylie („Can’t Get You Out of My Head“). Während sie nie die imperiale Reichweite von Madonna erreicht hat, ist sie eine der wenigen modernen Sängerinnen, deren Fähigkeit zur Neuerfindung es verdient, in demselben Atemzug erwähnt zu werden.

Die Idee für dieses 14. Studioalbum kam offenbar über Umwege von Kylie’s langjährigem Label. In der Ära der Pop- / Disco- / Country-Hybriden von „Man of the Woods“ (Justin Timberlake) bis „Golden Hour“ von Kacey Musgraves steckt hinter diesem Plan eine gewisse Logik und Strategie der Plattenfirmen. Sowohl zum Guten als auch zum Schlechten klingt Kylie’s Ausflug nach Nashville wenig nach einem dieser zeitgenössischen Extreme. Stattdessen leiht sie sich das subtile EDM Americana von Avicii’s „Wake Me Up“ aus, bei dem Gitarren auf donnernde Bassdrums und Synthesizer treffen.

Die Musik auf „Golden“ klingt ähnlich wie Kylie’s Boulevard Leben und lässt die Platte grob in drei Hauptthemen unterteilen: Herzschmerz, Tanz und Musik. Wenn sie darüber singt, dass sie im Eröffnungsstück und später in „Live A Little“ tanzen gehen möchte, wird es mit einem ironischen Grinsen geliefert, als wollte sie sagen: „Did you really think I was going to quieten down?!“ Manches wirkt auf „Golden“ leider auch billig, wie eine Todesfalle, die hellrosa gestrichen wurde, um den potenziellen Kunden abzulenken. Doch die berührenden Momente überwiegen, die letztlich Ihren Höhepunkt in „Raining Glitter“ finden. Es erinnert an die glorreichen Tage von Stock Aitken & Waterman Crescendos und schafft es, die Kombination aus skurriler Gitarrenlinie und treibendem Disco-Beat in Einklang zu bringen.

Das ist Country Pop für die ganze Familie. Sie hat mit „Golden“ über weite Strecken ein erwachsenes, gitarrengetriebenes, tänzelndes Album geschaffen und auch wenn Kylie eher wie jemand klingt, der Country-Musik spielt, als wie jemand, der das versteht, bringt diese Veröffentlichung zweifellos wieder Bewegung in Ihre Karriere.

6/10