Kings Of Leon – When You See Yourself

Wir wollten Sachen machen, die wir respektieren und von denen wir glauben, dass die Leute, die wir respektieren, sie auch respektieren werden„, so die Worte von Bassist Jared Followill der KINGS OF LEON. Tatsächlich ist WHEN YOU SEE YOURSELF ein Album, das uns, wenn auch mit Füllstoff versehen, eine angenehm entspannte Zeit bereitet.

Das vielleicht enttäuschendste an der Reise der Kings of Leon in Ihrem kommerziell erfolgreichen letzten Jahrzehnt war nicht, dass sie ausverkaufte Tourneen spielten oder aus dem anfänglichen Wirbelwind aus langen Haaren, Sex und Whisky herausgewachsen sind: es war eher der Eindruck, dass die Followill’s – drei Brüder und ihr Cousin – aus Nashville oft nicht mehr so aussahen, als ob sie wirklich an das glaubten, was sie selbst taten. Und so sind die ersten Schritte auf „When You See Yourself“ unbestreitbar ermutigend. Beginnend mit einem doppelten Bluff scheint der Titeltrack mit einer echoartigen Stadioneinstellung zu beginnen, bevor er tatsächlich mit einem Galopp durchstartet, der engmaschig und erfreulich rudimentär ist. Die vorherige Single „The Bandit“ marschiert unterdessen mit jugendlicher Freude – und auch wenn es nicht ganz den vollen jungendlichen Esprit entfaltet – so sind die Kings Of Leon wieder sehr viel näher an dem dran, was die Band mal einst auszeichnete. 

Der Song gibt zugleich den Ton für ein Album an, das, wenn auch nicht ohne Füllstoffe auskommend, das Gefühl vermittelt, dass Caleb, Nathan, Jared und Matthew wieder echten Spaß zusammen haben. Das achte Album des Quartetts ist ein elegantes Set atmosphärischer Indie Rock Songs mit wohlklingenden Melodien, die mit ihren typischen klingelnden Gitarrenmotiven, muskulösen Bässen und gefühlvollen Gesängen vollgestopft  sind. Seit dem letzten Angebot der Followill’s sind fünf Jahre vergangen, und die Fans werden vermutlich zufrieden sein. Als sie 2003 in Großbritannien ankamen, präsentierte sich die Band als widerspenstige Gruppe amerikanischer Garage Rocker, die (zusammen mit The Strokes und The White Stripes) ein New Wave Rock Revival inspirierten. Auch wenn ihre Lieder immer bedeutungslos waren, waren sie auf den Festivals die heimlichen Headliner und prahlten betrunken herum, als ob sie entschlossen wären, einen Aufruhr oder eine Orgie zu beginnen. 

Sie konnten jedoch in ihrem eigenen Land nicht viel Anklang finden, bis sie 2008 ihr kommerzielles Handwerk auf ihrem vierten Album „Only by the Night“ verfeinerten. Darin waren so eng fokussierte Pop Rock Hymnen wie „Sex on Fire“ und „Use Somebody“ enthalten, die unverfroren ihre Stadionambitionen verkündeten. Seitdem haben sich die Kings Of Leon jedoch in etwas verwascheneres verwandelt, was Caleb Followill’s Unbehagen über den Ruhm widerspiegelt. Er landete 2011 in der Reha, bevor er sich in ein Leben in scheinbarer ländlicher häuslicher Harmonie begab. Es gibt 11 Songs auf „When You See Yourself“, gefüllt mit hübschen Worten und schönen Melodien, die mit Caleb’s rohen, kratzigen Ton gesegnet sind und doch auf gesamter Länge einschläfernd wirken können. Es gibt Tracks die man überspringen wird. „Time In Disguise“ plätschert ohne Substanz dahin, während „Supermarket“ wie eine ziellose Lockdown-Reise nach Tesco dahinschwirrt, nur um ein bisschen Zeit tot zu schlagen.

Am Ende von „Fairytale“ ist dies ein Album, das Fortschritte in kleinen Veränderungen versteckt. Die Kings Of Leon sind in Ihrer Entwicklung subtil und behandeln „When You See Yourself“ als Mittel, um sich wieder auf ihren früheren Biss einzulassen, ohne jedoch bereit zu sein, ihren Platz an der Spitze vom Rock abzutreten. Infolgedessen ist es weder die vollständige Pause, nach der man sich sehnt, noch der Versuch, die kommerzielle Macht, die rund um „Only By The Night“ ausging, wieder zu erobern. Es ist letztlich ein interessantes Album für alle Anhänger der Kings Of Leon mit Blick in die Zukunft, für Neulinge kann die Platte jedoch schnell belanglos und damit zwangsweise einschläfernd wirken.

6.9