DAVID AUGUST reduziert sich auf das Klavier und sucht im Album HYMNS nach Reinheit. Die Sammlung wirkt wie ein bewusster Rückzug aus der elektronischen Komplexität früherer Arbeiten. Zwischen Ernst und Leerlauf bleibt offen, wie viel Substanz diese Geste trägt.
Die Entscheidung, ein Album ausschließlich „HYMN I“ bis „HYMN IX“ zu nennen, ist keine Nebensache, sondern ein programmatischer Akt der Entleerung. David August verzichtet auf individuelle Titel, auf narrative Hinweise, auf semantische Reibung. Die Stücke erscheinen als austauschbare Module eines übergeordneten Gedankens. Diese Nivellierung erzeugt zunächst Geschlossenheit, legt zugleich eine strukturelle Schwäche offen: Wo Differenz behauptet wird, muss sie musikalisch eingelöst werden.
Im Vergleich zu „VĪS“, das noch als interdisziplinäres Projekt zwischen Elektronik, Performance und Konzept angelegt war, wirkt HYMNS wie eine demonstrative Verengung. Das Klavier wird zum alleinigen Träger der ästhetischen Setzung. August inszeniert diese Rückkehr als Selbstvergewisserung, als „Angebot an das Instrument“. Historisch ist dieser Schritt nachvollziehbar, klanglich bleibt er ambivalent. Die Reduktion auf improvisierte Miniaturen ohne Schlagzeug, ohne klare formale Entwicklung, ohne thematische Variation erzeugt eine Atmosphäre der Einkehr, die schnell ins Gleichförmige kippt.
„HYMN III“ deutet mit kontrollierten Läufen und bewusst gesetzten Pausen an, dass technische Präzision vorhanden ist. Die Resonanzen des präparierten Klaviers, das Knarzen, das leichte Scheppern einzelner Saiten verleihen der Produktion Textur. In „HYMN VI“ entsteht aus gedämpften Impulsen eine fragile Pulsierung, die an eine entkernte Beatstruktur erinnert. Diese Momente zeigen, dass August die klanglichen Möglichkeiten seines Instruments ernsthaft auslotet.
Gleichzeitig bleibt ein Großteil des Materials im Bereich des Unverbindlichen. Die Improvisationen kreisen um ähnliche harmonische Felder, vermeiden Brüche, vermeiden Risiko. Was als meditative Konzentration gedacht ist, wirkt streckenweise wie formelhafte Kontemplation. Die Abwesenheit klarer dramaturgischer Entwicklung führt dazu, dass die einzelnen Stücke kaum erinnerbare Konturen ausbilden. Der Titel „Hymns“ impliziert Transzendenz, die Musik bleibt häufig bei zurückhaltendem Klavierklang stehen.
So entsteht eine ästhetische Selbstverortung als Rückzug ins Ursprüngliche, als Abkehr von elektronischer Opulenz. Diese Strategie verschiebt August innerhalb seiner Diskografie in Richtung klassischer Reduktion, ohne das Format entscheidend zu erweitern. Die Geste ist konsequent, ihre Tragweite bleibt begrenzt.
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