Katy Perry – Smile

Anstatt auf den Klängen aufzubauen, mit denen sie in der Vergangenheit experimentierte, scheint KATY PERRY nun in Selbstzufriedenheit zu verweilen.

Es ist genau 10 Jahre her, dass Katy Perry’s weltberühmtes „Teenage Dream“ veröffentlicht wurde. Es zementierte sie als Popstar, brachte Hits auf Hits hervor und gilt weithin als eines der besten Popalben des neuen Jahrtausends. Perry sah aus wie eine bonbonfarbene Disney-Prinzessin, immer mit einem Grinsen und einem unausweichlichen Lied für jeden Hochzeitsempfang oder jede H&M-Umkleidekabine. Die Katy Perry von 2020 könnte dagegen nicht weiter davon entfernt sein: Sie hat nach dem großen Flop „Witness“ aus dem Jahr 2017 mit öffentlicher Kritik, Trennungen und lähmenden Depressionen zu kämpfen und ist jetzt mit 35 Jahren im Begriff, Mutter zu werden. Die naive Teenager-Träumerin ist erwachsen geworden. Die Frage, die sich bei Ihrem fünften Studioalbum „Smile“ stellt, ist, ob ihre Musik es auch geworden ist.

Popmusik wurde lange Zeit als etwas Frivoles für die Jugend abgetan. Obwohl sich das Blatt wendet, gibt es immer noch einige Erwartungen, dass Künstler mit zunehmendem Alter vom Pop zum „ernsthafteren“ Genre wechseln werden. Kylie Minogue macht Country, Taylor Swift ist erfolgreiche Indie-Künstlerin und Justin Timberlake wurde der Mann des Waldes. „Witness“ strebte hartnäckig nach dem Mainstream, den sie zuvor so mühelos regiert hatte, und wurde 2017 mit nur einem Seufzer und einem Abwinken zurück in die Ecke geschickt. Perry wollte etwas sozialbewusstes, ernstes, etwas erwachsenes schaffen. Aber es verfehlte seine Ambitionen auf spektakuläre Weise und Perry’s Marketingtricks fühlten sich zunehmend verzweifelt an. Die Songs waren zu beschäftigt damit, einen Erfolg nach Hause zu bringen, um sich mit Erfindungsreichtum oder Sympathie zu beschäftigen. 

Trotz all seiner guten Absichten fühlte sich „Witness“ müde an. Auf „Smile“ klingt Perry dagegen verjüngt. Trotzdem bleibt es dabei, die Songs auf „Smile“ haben ungefähr so ​​viel emotionale Subtilität wie ein Vorschlaghammer. Deshalb besteht die größte Schwierigkeit in „Smile“, sich darin zu verlieren. Popmusik ist Flucht, was heutzutage nicht mehr nötig ist, aber „Smile“ scheint einfach nur zu existieren. Es sitzt am Tisch, umgeben von Perry’s Vergangenheit, die einige der größten Tracks der 00er Jahre enthält, und eine Zehenspitze Neuland, die zumindest lobenswert erscheint. Tracks wie „Teary Eyes“ und „Champagne Problems“ bieten einfache, sich wiederholenden Rhythmen, die im Mainstream-Pop beklagenswerterweise zur Selbstverständlichkeit geworden sind. 

Und obwohl „Daisies“ auf die euphorischen Höhen in „Teenage Dream“-Stil abzielt, erreicht dieses zu keiner Sekunde den einstigen Erfolg. „Not the End of the World“ beruht dagegen fast ausschließlich auf einer Melodie aus Steam’s 1969er Hit „Na Na Hey Hey“ Kiss Him Goodbye“. Nur der Folk-angehauchte Schluss-Track „What Makes a Woman“ weist auf eine vielversprechende neue Richtung für Perry hin, aber es kommt zu spät und endet viel zu früh. Und so hat das Album zwar immer noch ein seltenes Funkeln im Auge – es ist nur so, dass dieses Funkeln eben meist nur eine Träne ist.