Juliette Lewis – Terra Incognita

Juliette Lewis stand mit Leonardo Dicaprio, Johnny Depp und Brad Pitt vor der Kamera. Sie erhielt einen Emmy für die darstellerische Leistung in Hysterical Blindness im Jahr 2003 und wirkte im Musikvideo ‚ Buried Alive By Love ‚ von der finnischen Rockband HIM mit. Sie gründete im selben Jahr Ihre erste Band Juliette Lewis & The Licks, bestehend aus Kemble Walters, Paul III, Jason Morris und Todd Morse mit wechselnden Mitgliedern und drei durchschnittlichen Alben in drei Jahren. Sie war mit dem Kindermädchen Michael Dewitt zusammen, der unter anderem auch im Hause von Kurt Cobain und Courtney Love lebte und heiratete 1999 den professionellen Skateboarder Steve Berra, der nach sechs Jahren die Scheidung folgte. Sie glaubt an Scientology und die damit verbundene Geschichte von Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard, dass das unsterbliche Wesen jedes Menschen, der so genannte Thetan, durch traumatische Erlebnisse und insbesondere durch zwei Ereignisse vor Millionen Jahren massiv in seiner Funktionsweise beeinträchtigt worden sei. Natürlich kann jeder glauben wonach er Lust verspürt, jedoch bleibt an dieser Stelle eine Sache sicher: Juliette Lewis dürfte nur sehr selten das Gefühl der Langeweile verspüren. Denn bei Ihr vergeht die Zeit ungewöhnlich schnell, drei Jahre sind vergangen, viel ist passiert, zahllose Touren und Festivalauftritte folgten und fanden Ihr Ende in der Zusammenarbeit mit den Licks. Kurz entschlossen gründete Sie darauf The New Romantiques. Ihr Sound brauchte eben eine strukturierte Veränderung und einen neuen Produzenten: Den Grammy Gewinner Omar Rodriguez-Lopez von The Mars Volta, der Juliette 2007 beim Fuji Festival in Japan kennen lernte. „Everything she’s feeling, it’s just right there for you. It’s just honest. It’s her. All the music encapsulates her and it’s driven by her, and it’s made for her. Damit trifft Omar eigentlich genau die richtigen Worte: Es ist Juliette Lewis höchst persönlich. Eine Frau die sich nicht in Schubladen stecken lässt, seit Jahren Ihr Ding durchzieht und diesmal zwar klanglich andere Wege erforscht, aber schlussendlich Ihre anhaftende Mittelmäßigkeit auch in den unbekannten Sphären nicht vollständig abstreifen kann. Oftmals irrt der Hörer in den Weiten der unendlichen Tiefe, stößt sich den Kopf an unvorhersehbaren Wandlungen, erfreut sich aber ebenso an schrägen Songs wie das mysteriöse ‚ Female Persecution ‚, das jeglichen Vorstellungen einer funktionierenden Melodie widersprechen. Auch der letzte Track ‚ Suicide Dive Bombers ‚ überzeugt mit zielstrebigen Vorgaben und der unverwechselbaren Stimme von süßlich-verträumt bis beinahe männlich-tief. Trotzdem bleibt der fade Beigeschmack, hier nur eine mittelprächtige Platte in den Händen zu halten. Zu unvollständig stolpern die Arrangements in psychedelischen Prog-Rock-Klängen durch zusammengewürfelte Landschaften. Vielleicht benötigt die Platte eben seine Durchläufe um die Schüchternheit abzulegen und die gesamte Romantik und Tragödie, Träume und Ernüchterung dem Hörer einfach und unkompliziert ins Gesicht zu brüllen.

6.3