Antennas – Feeling Feline Tonight

Die Schweden können es einfach nicht lassen. Da genügt eine Gitarre samt Verstärker und der Nervenkitzel beginnt ohne minutenlange Vorbereitungen. Ok, im Falle von den Antennas ging ein hervorragendes und teils melancholisches Werk voraus, aber das war es eben auch schon. Nun regiert die etwas härtere Gangart und deckt nüchtern auf, was bereits vor zwei Jahren alle gedacht haben: Das Trio aus Stockholm beherrscht sämtliche Variationen im Schlaf. Spannend wie das finale Elfmeterschießen, kompromisslos wie der entscheidene Schuss, direkt und unhaltbar der Einstieg in die zweite Platte ‚ Feeling Feeline Tonight ‚ mit dem krachenden Opener ‚ Lies ‚. Die Menschenmenge jubelt! Die Antennas kehren nach zwei Jahren der kreativen Schaffenspause zurück, haben absolut nichts an Ihrer Genialität verloren und leben Ihre Phantasien diesmal auch in extravaganten Experimenten wie auf ‚ Pianola ‚ theatralisch aus. Christian Björkman legt uns die Grundstimmung zu Füßen, haucht Ihr davor zwiespältige Gefühle in die Adern und verfeinert das Ganze mit pompöser Orchestereinschüben. Dennoch beherrscht am Ende die trotzige Tanzbarkeit das Geschehen am Parkett. ‚ Youngbloods ‚ ist der lebende Beweis dafür, das sich die Antennas nicht lange an einem Ort aufhalten können. Dynamisch rocken Sie durch kurze drei Minuten, dominieren die eigenen Gedankenwege an sämtlichen Ausgängen, ein Entkommen ist aussichtslos und das Trio treibt den Puls genüsslich bis auf das absolute Maximum. Dazwischen tummeln sich Richtungen wie Balkan-Boogie, lockere Pop-Hymnen wie ‚ Media Training ‚ und Stalker-Pop, der wütend und bittersüß zugleich einem penetrant am Arsch klebt. Sie lassen die Gitarren explodieren, das Schlagzeug hektisch rotieren und gleichzeitig geben Sie den Stücken die nötige Zärtlichkeit. ‚ Feeling Feeline Tonight ‚ ist unberechenbar, es zeigt Gefühle: Wut, Schmerz, Verzweiflung, Zerbrechlichkeit, und Hoffnung. Zwar klingt es manchmal recht aufgetragen und schleichend bewegt sich jedes Mal die Angst auf einen zu- die Theatralik könnte die Songs völlig in Ihren Bann ziehen, aber die Antennas wissen diese Bedrohung geschickt ein ums andere Mal erfolgreich abzuwehren. Produziert wurde ‚ Feeling Feeline Tonight ‚, wie das Debüt, von Magnus „Existensminimum“ Henriksson und fand seine Veröffentlichung wieder bei Novoton Records. Diesmal auch ohne Verzögerung. Der Erfolg aus den Vorjahren gab Ihnen also schlussendlich recht und die Qualität könnte schließlich nicht besser sein. Hinzu kommt abschließend das sympathische Auftreten und die Bescheidenheit, wenn Sie selbst von Ihren Texten behaupten:“If it’s good enough for Scooter, it’s good enough for Antennas“.