Jens Friebe – Abändern

Jens Friebe ist bei seinem vierten Studioalbum angekommen. Endlich darf man an dieser Stelle sagen, hat der Mann aus Lüdenscheid neben seinen Tätigkeiten (unter anderem ist er Autor für das Musikmagazin Intro) eine Platte aufgenommen, die fast schon in Selbstverständlichkeit ohne großes Tamtam seiner Veröffentlichung entgegenwirkte. Überhaupt spricht man Jens Friebe eine große Bescheidenheit um seine Person aus, oder wer von uns wusste, dass er speziell in bulgarischen Intellektuellenkreisen der Renner ist und auch das letzte Spiegel Interview halb in Bulgarisch geführt wurde? Es bleibt eben still um den Musiker und Musikjournalist, der Anglistik, Philosophie und Musikwissenschaften studierte. Will man mehr wissen, benötigt es die neue Platte ‚ Abändern ‚ und ein wenig Zeit. Harmonisch und mit Spielwitz marschiert der Opener ‚ Theater ‚ durch die Strophen, erfreut sich dabei an einem monotonen Schlagzeug und dem launigen Klavier, mit dem im Besonderen wir im späteren Verlauf noch eine Menge Freude haben werden. Die Musik von Jens Friebe ist auf seinem neuen Studioalbum unkompliziert, leicht verdaulich und oftmals sehr eingängig gehalten. ‚ König Im Dreck ‚ verfolgt das ähnliche Ziel und fast scheint es, als würde er den Weg zwischen aufblickender Tiefe und dem blauen kalten Nass schnellsten überbrücken wollen. Zum Stillstand gelangt Friebe das erste Mal im dritten Stück ‚ Vögel ‚ und es bleibt auch für uns Zeit, den Blick einmal kurz über das beeindruckende Schauspiel gleiten zu lassen. Hin und wieder erinnert uns der Sänger mit seinen Melodien an Roman Fischer, Anajo, aber auch ein bisschen an die Sportfreunde Stiller. Einen eigenen Stil darf man Friebe jedoch nicht absprechen. Einen Stil, der sich überwiegend aus dem Piano ableitet, aber auch durch stets wiederkehrende Schmunzelattacken, wie im Fall von ‚ Up & Down ‚ – dem damaligen Hit der Venga Boys. Was Friebe hier benötigt, ist ein Klavier, sirenenartige Synthies und einen Loop für die Vocals. Fertig ist das abgedrehte Stück in einer Location, die sich in der Mitte des Damms natürlich in perfekter Art und Weise performen lassen würde. Es wäre mit Sicherheit ein denkwürdiger Moment. Insgesamt beweist die Platte Ihre Stärke in der ersten Hälfte. Danach stellt sich der Gewöhnungseffekt ein, wir haben alles gesehen und denken in erster Linie nur noch an den langen Weg, der uns nach ‚ Up & Down ‚ wieder auf festen und erdigen Boden zurückführen wird. Dennoch bleibt Jens Friede mit ‚ Abändern ‚ auf einem guten Weg, für kurzweilige Unterhaltung ist bestens gesorgt und am Ende von ‚ Fire ‚ hat man schlussendlich auch jegliche emotionale Gefühlslagen mindestens einmal durchleben dürfen.