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Unscharf verfremdetes Porträt einer Frau mit dunklem Haar vor weißem Hintergrund, nur die rechte Gesichtshälfte sichtbar, in warmen Gelb- und Rottönen gehalten – eine visuelle Spiegelung von Nähe, Distanz und Identitätssuche.
ALBUM

Belong JAY SOM

2025
MSTAX ALBUMPROFIL

Zwischen Schwebe und Selbsterkenntnis: Wie JAY SOM auf BELONG ihre Klangwelt neu erfindet – zwischen flirrender Intimität, kollaborativer Offenheit und dem Mut, Kontrolle abzugeben, ohne sich zu verlieren.

Sechs Jahre sind eine Ewigkeit in der heutigen Popwelt, doch für Melina Duterte – besser bekannt als Jay Som – war die Stille kein Rückzug, sondern ein Umlernen. Nach den zarten Heimaufnahmen von „Everybody Works“ und dem pastellfarbenen Traum „Anak Ko“ wirkt „Belong“ wie eine behutsame Öffnung in alle Richtungen: ein Album, das sein Zuhause nicht mehr in Isolation, sondern im Austausch findet. Duterte, längst geschätzte Produzentin für Acts wie boygenius oder Lucy Dacus, nutzt hier ihre Erfahrung, um ihr eigenes Projekt aus dem Schlafzimmer hinaus in ein vielstimmiges Studio-Kosmos zu führen.

Von Beginn an weht ein neuer Ton durch die Songs. “Cards on the Table”, mit Mini Trees, klingt wie ein Selbstgespräch in Bewegung, leichtfüßig und selbstkritisch zugleich. „Say it, you let me down“ haucht Duterte, als würde sie aus dem Spiegel sprechen. “Float”, mit Jim Adkins, verschmilzt Post-Punk-Restenergie mit gläsernem Pop-Schweben – ein Song, der an der Oberfläche glitzert, während darunter Zweifel brodeln. Auch “What You Need”, gemeinsam mit Soft Glas, lebt von diesem Spannungsverhältnis: kühle Distanz im Vers, eruptive Klarheit im Refrain, wo Duterte mit entwaffnender Einfachheit bekennt: „Can’t give you what you need / You can have the last word.“

In “Past Lives” begegnet sie Hayley Williams, und das Album erreicht seinen emotionalen Scheitelpunkt. „Shut down and restart / Melt off, defrost / I’m spiraling up“ – Zeilen, die das Leitmotiv verdichten: Transformation als Kreislauf aus Erfrieren und Wiederauftauen, aus Stagnation und Aufbruch. Diese Bewegung spiegelt sich auch in den Schichten der Produktion, die schimmern, sirren, manchmal zerfallen. Zwischen Gitarrenrauschen und synthetischem Nebel wächst eine fragile Kraft, die sich nicht beweisen will. Selbst das Cover – ein verschwommenes Gesicht, halb im Licht, halb im Verlust – scheint diese Schwebe zu atmen. Es ist ein Bild zwischen Nähe und Entfremdung, zwischen Selbstportrait und Projektion. 

So klingt auch „Belong“: introspektiv, aber nicht verschlossen, eigenwillig, doch nie egozentrisch. Das kurze “A Million Reasons Why” schwebt wie ein geisterhaftes Zwischenstück durch diesen Kosmos, bevor “Want It All” das Album mit müder Erkenntnis ausklingen lässt: Man kann alles wollen und doch nur sich selbst finden. Jay Som beweist mit „Belong“, dass Reife kein Verhärten bedeutet. Ihr Songwriting bleibt verletzlich, ihre Stimme brüchig und klar zugleich, ihr Sound zugleich erdig und entrückt. Was früher Bedroom-Pop war, ist jetzt eine fließende Form kollektiver Intimität.

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Anspieltipps: Past Lives, Float, What You Need

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