Jane Weaver – Flock

JANE WEAVER hätte immer wieder dieselben wunderbaren Dream Pop Alben machen können, bis die Welt untergehen würde, und es wäre in Ordnung gewesen. Für sie ist dieses neue Album also ein gewagter Schritt und es funktioniert – gelinde gesagt – sehr gut.

In der zweiten Hälfte der 2010er Jahre machte Jane Weaver einen neuen musikalischen Schritt und veröffentlichte zwei Alben, „Silver Globe“ im Jahr 2014 und „Modern Kosmology“ im Jahr 2017, beides Mini-Meisterwerke des Dream-meets-Synth-Pops, und veröffentlichte damit auch zwei Alben, die schimmernde Synthesizer, abwechselnd treibende und träge Tempi und Weaver’s trillernde Gesänge zu etwas Magischem kombinierten. Nach einem Exkurs in die experimentelle Elektronik bei „Loops in the Secret Society“ zwei Jahre später und einer Platte mit avantgardistischem Indie Rock mit ihrer Band Fenella machte sich Weaver daran, ein Album mit einem vielfältigeren Klang aufzunehmen, das ein breiteres Spektrum ihrer musikalischen Interessen widerspiegelte.

In Anbetracht ihrer früheren Arbeit und ihrer reichen Geschichte der Zusammenarbeit (von Coldplay bis zum ungarischen Regisseur Marcell Jankovics) ist Weaver’s eigene Suche nach dem wahren Weg den Berg hinauf zu einer Form des Pop Perennialismus geworden. Und „Flock“ ist eine Platte mit doppeltem Gesicht, die auf 60er-Jahre-Mädchengruppen, 90er-Grooves, 50er-Jahre-Soundeffekt-LPs und alte Bänder zurückblickt. Nehmen wir als Beispiel die erste Single „The Revolution of Super Visions“. Die Chicken-Scratch-Funk-Gitarrenschläge und die gummiartigen Bassblasen des Tracks erinnern an etwas, das George Clinton in den frühen 80ern hätte erfinden können: maximalistischer Funk Pop mit minimalistischen Zutaten. 

„Pyramid Schemes“ ist ein noch erfolgreicheres Beispiel für Weaver’s schöne neue Methode, dichte Klangschichten zu entfernen, um die volle Sprungkraft der Melodien und Rhythmen freizulegen. „Lux“ ist ein Instrument zur Reinigung der Palette, reich an hochfliegenden, wortlosen Stimmen, bevor die erste Hälfte mit „Modern Reputation“ auf einem Höhepunkt endet, dass die magische Stereolab Formel aus treibenden Krautrock Rhythmen, dröhnenden Orgeln und verträumte Gesängen nutzt. „Solarised“ begeistert ebenso mit seinen rauschenden Synth-Pads, die von einer harten Basslinie und einer hochfliegenden Gesangsmelodie untermauert werden. Es passt zu einer lebendigen Sammlung von Musikstücken.

Die meisten Künstler haben Schwierigkeiten, jemals etwas zu finden, das sich einem typischen Sound nähert. Nachdem die Pop-versierte und dennoch kompromisslose Jane Weaver bereits eine völlig einzigartige Position unter den kistengrabenden Horden von Vintage-Synth-Liebhabern und Anbietern kosmischer Loops eingenommen hat, findet Weaver diesen typischen Sound mit „Flock“ zum zweiten Mal.

8.7