Ryley Walker – Course In Fable

Dieses aufregende, bewegende, schöne und komplexe Album klingt ausschließlich wie RYLEY WALKER Musik und wie immer entfernt sein Ansatz abgenutzte Wahrheiten, um etwas Erstaunliches darunter zu enthüllen.

„Course In Fable“ wurde in Ryley Walker’s alter Heimatstadt Chicago mit John McEntire von Tortoise und The Sea and Cake aufgenommen und fängt Walker mit eklektischen Einflüssen ein – gerollt zu einem herrlich chaotischen Ball musikalischen Spiels. Abgesehen von dem trägen „Axis Bent“ (mit Andeutungen zu Wilco) scheint jede Melodie mehr Ideen zu enthalten als die gesamten Kataloge vieler Bands. Gepaart mit eigenwilligen Texten, die auf persönliche Geständnisse hinweisen, während sie in einem besonders verwirrenden, aber überzeugenden Code geschrieben sind, lassen Walker’s fünftes Album (ohne zahlreiche improvisatorische Kollaborationen) zunächst überwältigend wirken. 

Bald verschmelzen sogar die Momente der kindlichen Hyperaktivität zu Stücken, die von einer Band verankert werden, deren Telepathie darauf hindeutet, dass sie schon immer zusammen gespielt haben. Besonders faszinierend sind dabei die Erlebnisse, wenn sich die Gitarren von Walker und dem langjährigen Mitarbeiter Bill Mackay verlockend umeinander schlängeln und kräuseln. „Striking Down Your Big Premiere“ beginnt mit eng gewundenen Prog-Elementen und einem King Crimson-Diskurs, der abschließend in Richtung Horizont entflieht. „Rang Dizzy“ bietet geradlinigere Songwriting-Gerichte, während „A Lenticular Slap“ mit hervorragenden absteigenden akustischen Linien gegen einen hartnäckigen, dröhnenden Bass arbeitet.

Diese sieben Tracks sind eine kunstvolle Verbindung von impressionistischem Songwriting, Prog-Rock-Visionen und melodischer Nuancen. Sie zeugen ebenso von höchster Produktionsqualität, auch dank der Bemühungen des erfahrenen Produzenten und Ingenieurs John McEntire. Die Paarung dieser beiden Chicagoer Exzentriker aus verschiedenen Generationen ist inspirierend und macht zu diesem Zeitpunkt in Walker’s Karriere einen gewissen Sinn. Letztlich mag Walker seinen Hut vor Chicago’s experimentellem Underground oder Prog-Giganten wie Genesis ziehen, aber mit dieser Veröffentlichung ist er sehr sein eigener Mann.

8.6