JAMES BLAKE Trying Times
In einer Atmosphäre aus existenziellem Bangen sowie intimer Hoffnung verbindet JAMES BLAKE auf seinem siebten Studioalbum elektronische Härte mit orchestraler Fragilität. TRYING TIMES erweist sich als eine präzise Vermessung seiner bisherigen Karrierewege ohne den Schutz eines Major-Labels.
Die rhythmische Reduktion markiert den Einstieg in ein System, das sich konsequent jeder klanglichen Überladung verweigert. In „Walk Out Music“ agiert James Blake mit einer strukturellen Kargheit; pulsierende Bässe treffen auf eine beinahe alarmierende vokale Repetition. Diese künstliche Inszenierung einer prekären Balance findet ihre Entsprechung im visuellen Begleitmaterial. Die Pose des Tellerjongleurs im Halbschatten fungiert hier als Chiffre für eine kalkulierte Identitätsbehauptung, die das Fragmentarische seiner Karrierephasen in eine bewusst ausgestellte Einheit überführt. Es ist die Darstellung einer mühsam aufrechterhaltenen Kontrolle über die unterschiedlichen Rollen als Produzent, Pianist sowie als Crooner.
In „Death of Love“ verschiebt sich die Dichte durch das Sample eines Cohen-Chores in Richtung einer sakralen Schwere. Die klangliche Architektur bleibt dabei funktional; die Stimme ordnet sich dem Arrangement unter, während die Zeile „I think we might be walking to the death of love“ die strukturelle Ausweglosigkeit dieser sakralen Schwere artikuliert. „Make Something Up“ nutzt hingegen spröde Steve-Lacy-Akkorde, um eine formale Unentschlossenheit zu skizzieren. Hier wird die kreative Frustration nicht bloß thematisiert, sondern durch die rhythmische Trägheit des Schlagzeugs materiell erfahrbar gemacht.
Die zweite Hälfte des Albums operiert mit einer geringeren Frequenz an Innovationen. „Rest of Your Life“ bricht die beinahe statische Melancholie mit einem repetitiven House-Beat auf; das Klavier agiert hier als chaotisches Gegengewicht zu den starren elektronischen Rastern. Während „Through The High Wire“ den Falsettgesang mittels Gate-Effekt mechanisch deformiert, bleibt die emotionale Steuerung durch den unterlegten Gospelsample präzise. Die Einbindung von Dave in „Doesn’t Just Happen“ dient als beispielhafter Beleg für Blake’s Hip-Hop-Sozialisation, ohne die R&B-Grundierung zu verlassen. „Just a Little Higher“ beendet das Werk mit einer orchestralen Geste, die als struktureller Schlusspunkt einer konsequenten Rückbesinnung auf handwerkliche Kernkompetenzen fungiert.
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