Jack Peñate – After You

Das Debüt von Jack Peñates aus dem Jahr 2007 begeisterte mit seinem schrulligen, rasselnden Indie-Gitarren-Pop und war ein klassisches Produkt seiner Zeit. Die Fortsetzung mit „Everything Is New“ aus dem Jahr 2009 hat das Profil des Londoners auf das eines seriöseren, raffinierten Dance-Pop-Künstlers umgestellt. Nach dem Erfolg dieser Platte trat Peñate einen Schritt zurück und hat in den letzten zehn Jahren gelernt, wie man Musik selbst produziert. Und so folgt nun mit „After You“ eine High-End-Produktion (mit etwas Hilfe von Paul Epworth, Inflo und Alex Epton). Dies ist keine Veröffentlichung die sich zeitgeistigen Klängen unterwirft, sondern zielt eher auf zeitloses Songwriting ab. So klar dieser Weg, so gegensätzlich singt Jack Peñate in den Eröffnungsmomenten seines dritten Albums. “I got lost,” und doch ist es eine naturgetreue Aussage zu einer Platte, die 10 Jahre nach dem Erscheinen seines letzten Albums „Everything Is New“ eingeht. 

Anstatt zu versuchen, mit den sich ständig ändernden Trends des letzten Jahrzehnts Schritt zu halten, reiste Peñate um die Welt – von London nach New York und von Oxford nach Peru – und schrieb sein neues Album. Das von Peru inspirierte Stück „Swept To The Sky“ ist eine allmächtige Annäherung, ein offenbarende Erleuchtung und anstatt sich festgefahren und gefangen zu fühlen, fühlt sich das glänzende Klavier wie ein Eureka-Moment an – das Knacken des Codes, der Peñate geholfen hat, zu uns zurückzukehren. Es ist auch einer der großartigsten Tracks, die er je geschrieben hat. Bis zu diesem abschließenden Track des Albums lesen wir deutlich die Handschrift der mitwirkenden Protagonisten, die Peñate’s Sound aktualisieren und sich für expansivere Arrangements und elegantere Elektronik entscheiden.

Wichtig ist, dass es immer noch nach Peñate klingt – immer eingängig und summbar. Diese Verschiebungen spiegeln sich gut in dem dramatischen Opener „Prayer“ wider, einer Hymne die mit Gospel-beschwerten E-Gitarren, verzerrtem Keyboard und flatternden Streichern überlagert wird, bevor sie auf dem geräumigen, klatschenden Refrain landen. Diese Eigenschaft, manipulierte Klänge und Effekte und Raum zum Atmen zu haben, bleibt während des gesamten Albums bestehen. Und wenn wir dann „Swept To The Sky“ erreichen, ist seine Transformation vom Indie-Pop-Aufsteiger zum künstlerischen Troubadour abgeschlossen. Hoffen wir für das nächste Jahrzehnt, dass sich Peñates dann wieder an einen pünktlicheren Veröffentlichungsplan halten wird.