I LIKE TRAINS – KOMPROMAT

KOMPROMAT ist ein Album, dass I LIKE TRAINS noch einmal zementiert, nicht nur als eine Kraft, mit der man rechnen muss, sondern als eine Band, die in der Lage ist, scharfe Kritik an der Gesellschaft zu üben.

Acht Jahre, seit sie uns das letzte Mal mit ihrer Anwesenheit bereichert haben, sind I LIKE TRAINS mit einem Album zurückgekehrt, das voll mit neuem Material ist. Während „KOMPROMAT“ kein Konzeptalbum ist, befasst es sich direkt mit Themen der Überwachung, Korruption und politischem Manövrieren, russischer Einmischung und Lügen. Es ist damit eine der relevantesten und wichtigsten Platten, die dieses Jahr veröffentlicht wurden. Es ist allzu leicht zu sagen, dass Musik heutzutage nicht böse oder politisch ist (man muss nur an den richtigen Stellen suchen), aber nur wenige Bands haben den Nagel so genau auf den Kopf getroffen, wie es hier I LIKE TRAINS gelungen ist.

„KOMPROMAT“ bietet einen sauberen Schnitt zu ihrem etablierten Sound. Es gibt Songs mit der DNA aus vergangenen Arbeiten – beispielsweise das Mini-Album „Progress • Reform“ aus dem Jahr 2006 – aber „KOMPROMAT“ bietet einen Neuanfang und bringt die Dinge nach der längeren Abwesenheit der Band durcheinander. Die Baritonstimme von David Martin ist natürlich sofort erkennbar, aber was neu ist, sind die oftmals gesprochenen Worte und ein freierer Ansatz beim Schreiben von Texten. Das dunkle Disco-Juwel „The Truth“ wurde nach Bedarf zusammengesetzt, um die sich verändernde Natur zu berücksichtigen, was derzeit als die Wahrheit gilt, besonders im politischen Diskurs. Laut dem szenenbildenden Eröffnungs-Track „A Steady Hand“ betritt die Band aufgrund ihrer offenkundigen zeitgenössischen politischen Neigung Neuland und bleibt mit Ihren Songs in der Gegenwart.

Am wichtigsten ist aber, dass sie ihren Sound oder ihre Fähigkeit, emotional affektive Songs zu schreiben, nicht beeinträchtigt haben, um ihren Standpunkt zu verdeutlichen. Sie waren schon immer Meister darin, über schwierige Themen in fein ausgearbeiteten Liedern zu schreiben, egal ob es sich um Schachspieler, den Klimawandel oder die Auswirkungen der Technologie auf den menschlichen Geist handelt. Sie haben ihre Qualitäten konsequent umgesetzt. Dementsprechend hat jeder dieser Songs einen Hook und eine Melodie, die tief greifen. Post-Punk-Einflüsse sind auf dem treibenden Ohrwurm von „Dig In“ zu beobachten. Im ständigen Angriffsmodus mit ausgestreckten Ellbogen und entblößten Zähnen ist dies eine ätzende Zusammenfassung politischer Spielereien, Vertuschungen und Geldwäscherei – ein herrlicher direkter Bauchschlag.

Das Album endet mit dem grandiosen „Eyes to the Left“, das mit gesprochenem Wort von Anika von Exploded View beginnt. Von dort schwillt es allmählich zu einem explosiven Finale an, während die Band, die im Laufe der letzten 40 Minuten aufgebaute Spannung abbaut und es „KOMPROMAT“ so ermöglicht, mit einem Knall von beträchtlicher Tiefe und Intelligenz auszugehen.