The Ettes – Do You Want Power

Nein, lange fackeln die Ettes definitiv nicht bei Ihren Angelegenheiten. Die letzte Platte ‚ Look At Life Again Soon ‚ liegt noch gar nicht so lange zurück, die letzte EP ‚ Danger Is ‚ erschien fast zeitgleich und das aktuelle Werk ‚ Do You Want Power ‚ wurde in rekordverdächtigen fünf Tagen im heimischen Nashville aufgenommen. Als Produzent wurde Greg Cartwright arrangiert, der unter anderem schon den Platten von The Oblivion, The Detroit Cobras oder Jay Reatard den letzten Schliff verpasste. Doch wie sollte es auch anders funktionieren? Die Ettes sind praktisch rastlos, umreisen unseren Erdball mindestens ebenso rekordverdächtig und sind mit dem fehlenden Sinn für Fernweh gesegnet. „Ruhe und Gelassenheit sind für uns irrationale Zustände“ so Schlagzeuger, und einziges männliches Mitglied, Jem. Vielleicht stet das Trio deshalb bei Ihrem Plattencover über den gemalten Wolken. Vielleicht sollte dies auch etwas ganz anders symbolisieren. Wie die neu gefundene Vielschichtigkeit mit einem klaren und Weitschweifenden Blick über Sixties-Girl-Pop, Country- Folkrockanleihen, New York-Punk und klassischem  Rock’n’Roll.

Das Album nimmt seinen spektakulären Lauf mit, wie sollte es auch anders sein, dem Opener ‚ Red Tooth In Claw ‚ welches die Visionen einer erotischen Biker Schönheit mit reißenden Zähnen in packender Wüstenlandschaft und anzüglichen Motiven widerspiegelt. Fast schon genüsslich werden diese Szenen hinter grausig-betörenden Schauplätzen zelebriert. Und wer weiß, vielleicht will diese schöne Unbekannte am Ende einfach nur reden? Man würde gerne anhalten um dieses riskante Vorhaben zu ergründen. Überhaupt wird dieses Thema der intelligenten, starken und unzerbrechlichen Rock-Göttin der weiblichen Figur häufiger im Album erschlossen. Smooth wälzen sich dagegen in ‚ I Can’t Be True ‚ die Gitarren durch den staubtrockenen Boden, wirbeln dabei ordentlich Dreck in die Atmosphäre und setzen die Herzfrequenz spürbar eine Stufe höher. Ja die Ettes beweisen: Vielseitiges Auftreten harmoniert wunderbar mit minimalistischen Rock. Wieder schüttet das Trio unglaublich viel Sand in Ihren Rock’n’Roll und verfeinern es mit einer kleinen Brise Blues, ohne sich dabei glücklicherweise an den herzlichen und schwierig bleibenden Lyrics zu vergreifen.

Seltsam, der klare und saubere Ton trägt tatsächlich maßgeblich zu einem stilvolleren Sound bei, als wir es noch bei den letzten beiden Alben erleben durften. Auch klingen die Ettes in Ihren ruhigen Momenten, in den intimen Phasen bedrohlicher, wie auch in der Tempo-Reduzierung und den urigen Balladen wie dem Country-Verschnitt ‚ Love Lies Bleeding ‚ mit unaufdringlichen Anlehnungen zu Dolly Parton. Meistens rocken Sie aber durch kraftvolle Melodien wie in ‚ Blood Red Blood ‚. ‚ Seasons ‚ erinnert an einen blutigen und aggressiven Stierkampf aus dem letzten Jahrhundert im Plaza de Toros de Las Valentas. Oder auch an ‚ Conquest ‚ der White Stripes aus deren letzten Platte ‚ Icky Thump ‚. Mit einer Volksballade führen uns die Ettes weiter durch Ihren glänzenden Zeitgeist, lassen sanft und beruhigend die Emotionen durch schimmernde Landschaften gleiten und galoppieren im selben Atemzug rasant durch die Strophen in ‚ Walk Out The Door ‚. Und das soll nicht nur ein gut gemeinte Rat sein.

Es ist vielmehr eine Aufforderung endlich die eigenen vier Wände zu verlassen, das Gefährt seiner Wahl zu besteigen und mit festen Blick in die untergehende Sonne zu jagen. Dementsprechend melancholisch ist der Abschied in ‚ Keep Me In Flowers ‚. Eine langsame und fast schon düstere Wendung. Komplett mit Klavier, Geigen, behutsamen Becken und Coco’s Akustikgitarre hinterlassen die Ettes uns mit einem zarten Schauer auf dem Rücken. Sie müssen eine verdammte Quelle angezapft haben, denn es rollt der Donner über ‚ Do You Want Power ‚, die Riffs brennen sich in unsere Haut und gleichzeitig verführen Sie uns mit Ihren emotionsgetragenen Stücken. Es ist eine phantastische Weiterführung Ihres Werdegangs, oder um es einfacher gesagt auf den entscheidenden Punkt zu bringen: ‚ Do You Want Power ‚ wurde ausschließlich für den zügellosen Genuss konzepiert.