I Break Horses – Warnings

Maria Lindén kehrt mit ihrem dritten Album „Warnings“ zurück und zeigt, dass ihre Musik während der sechsjährigen Pause des Projekts nichts von ihrer gebieterischen Kunst verloren hat. Lindén hat wieder ein Werk geschaffen, das von transzendenter Schönheit anschwillt und den Mythos zerstört, dass elektronische Musik standardmäßig kalt und unpersönlich ist. Wie bei ihrer vorherigen Platte besitzt „Warnings“ die weitreichende Größe und Vision von Sigur Rós, die emotionale Tiefe und die eiszeitliche Anmut der Cocteau Twins und die introspektive Trostlosigkeit von Anna Von Hausswolff. So ansprechend die einzelnen Veröffentlichungen auch waren, „Warnings“ ist viel befriedigender, wenn es als Gesamtwerk erlebt wird, fast wie ein Filmsoundtrack. Das unterstreichen zweifelsohne am Besten die beiden Songs „Baby You Have Travelled For Miles Without Love In Your Eyes“ und „Death Engine“. 

Die Früchte von Lindén’s Arbeit mögen hart erkämpft worden sein, aber sie sind dafür umso süßer. „Warnings“ ist eine reichhaltige Platte, die sich an den frühen Electrogaze-Sound der Band und den Crystal Synth-Pop ihrer zweiten Platte „Chiaroscuro“ aus dem Jahr 2014 anlehnt. Das dritte Album bringt das Experiment und das Drama auf Trab. Die neuen Songs sind durch die Spannung und Freisetzung des Titels gekennzeichnet und offenbaren Ihre Geschichten in Songs wie „Turn“, in dem Lindén erkennt, dass ein Liebhaber emotional nicht das selbe fühlt, bis hin zur tragischen Entscheidung eines jungen Menschen, sein Leben zu beenden („Death Engine“). Das beruhigende „I Live At Night“ beschreibt eine Depression, die einen an die dunklen Stunden gebunden hält. 

Wie bei der lebhaften Krautrock-Nummer „Neon Lights“ greift der Song das Konzept von Dunkel und Licht auf. Ein träger Drum-Machine-Beat schleppt die hallende Akustik, den wiegenden Bass und die muffigen Piano-Noten über die Texte, in denen Lindén zugibt: “I live at night / ‘Cause I’m afraid of the day”. Lindén scheint die verletzlichste zu sein, die sie jemals war, als wären wir auf einen vergessenen Tagebucheintrag gestoßen. Das herausragende „The Prophet“, das an industriellen Trip-Hop-Beats und bedrohlichen Synthesizern hängt, berührt ebenso das Zusammenspiel von Schatten und Licht. Trotz all seiner Pluspunkte weist „Warnings“ einige Fehltritte auf, vor allem in seinen zahlreichen feldähnlichen Interludes („larm“, „denlillapaseavlycka“ und „absolutamollpunkten“) und dem kratzenden „Depression Tourist“. Ansonsten ist „Warnings“ jedoch eine brütende, schöne Betrachtung auf die Fehler des Lebens.