Jess Williamson – Sorceress

Hast du jemals eine Stimme gehört, die so fesselnd ist, dass sie deine Aufmerksamkeit sofort erregt? Eine Stimme, die so beruhigend ist, dass du jeden Text eines Songs spüren kannst? Eine Stimme, die so verlockend ist, dass du mehr hören möchtest? Es folgt der vierte Auftritt von Jess Williamson. Ihre neue Platte „Sorceress“ wurde in Los Angeles geschrieben, in Brooklyn aufgenommen und auf einer Ranch in ihrer Heimat Texas fertiggestellt. Sie umfasst die reiche Kultur und die bestimmenden Klänge dieser Gebiete. Der eröffnende Track „Smoke“ beginnt mit einer einsamen Akustikgitarre, die von Williamson’s größtes Instrument – ihre Stimme – begleitet wird. Es folgen harmonisierte Chorstimmen, die sich dem Ende des Tracks nähern und irgendwo zwischen unheimlich schön und kraftvoll beruhigend gipfeln.

Williamson steigt wirklich in die Höhe, wenn sich ihre bewegenden Gesänge mit den lebendigen Bildern verbinden, die durch Ihre Texte in wunderschönen Gemälden festgehalten werden. “Oh to be as the birds are / unburdened by loneliness / oh to be a shining star / so far away with no regret,” surrt die Sängerin reumütig während „As the Birds Are“ und ruft Gefühle des Bedauerns und der Sehnsucht hervor, sich aus den Fesseln vergangener Fehler zu befreien. An manchen Stellen fühlen sich einige Songs aber so an, als würden sie zu einer Masse verschmelzen, was leicht ablenkt. Die Stärke des ersten Teil des Albums, sowie herausragende Momente, wie es der Titeltrack, „Rosaries at the Border“ und „Gulf of Mexico“ darbieten, sorgen jedoch dafür, dass das Gesamterlebnis beim Anhören der Platte eine angenehme Erfahrung bleibt. 

Der oben erwähnte Titeltrack ist eine von Herzen kommende Sicht auf Beziehungsprobleme, der von schimmerndem Vogelgezwitscher und anderen verschiedenen Wildtieren zart unterstützt wird – begleitet durch Williamson’s eindringlicher Stimme: „May I remind you no ones keeping score…but I’m not trying to tame a lion, I want to be caressed“. Wir erleben am Ende jede Emotion mit der Sängerin. Wir fühlen Liebe, wir teilen Herzschmerz, wir begegnen Traurigkeit und wir finden unsere innere Stärke. Wenn die letzten Noten des abschließenden Titels erklingen, könnte man sagen, dass „Sorceress“ eine musikalische Reise ist, aber es ist eine Reise, die sich lohnt.