Hot Water Music – Exister

Das ist meine liebste Seite an der Musik: wenn sich bei einem Namen, in diesem Fall ist es Hot Water Music, das Erinnerungsvermögen diesen einen besonderen Moment an die Oberfläche hievt, an dem ich das erste Mail mit dieser großartigen Band aus Gainesville, Florida, USA, in Berührung kam. Es war zum Ende meiner Schulzeit, ich hatte mir die neueste Visions Ausgabe zugelegt und hörte natürlich – wie meist – die All Areas CD. Und darauf befand sich eine Nummer von Hot Water Music. Es ist bestimmt schon knappe zehn Jahre her und ich muss zugeben, dass ich bis zum jetzigen Album nichts mehr von der Band gehört habe. Doch in den letzten Tagen habe ich diesen wirklich unangenehmen Missstand kompromisslos nachgeholt, bis schlussendlich mit ‚ Exter ‚ das vorläufige Ende der Diskographie erreicht wurde. Es war eine spannenden Reise durch tiefsinnige Texte und einen intensiven, hymnischen Post-Rock. Ebenfalls wurde mir auf meiner Zeitreise bewusst, wie unsinnig eine Hot-Water-Music-Rezension im Einzelnen sein kann. Denn in jedem Album spürt man die Auswüchse des eigenen Subgenres, die permanent modifizierten und musikalischen Stile und natürlich die darinliegende harte Arbeit. Und man muss sagen, acht Jahre sind im Punk-Rock eine verdammt lange Zeit. Denn die letzte Veröffentlichung der Band aus Florida war ‚ The New What Next ‚ aus dem fernen Jahr 2004. Eine Gruppe mit einem unverwechselbaren Sound und eine treuen Anhängerschaft. In der Zeit zwischen den beiden Platten versuchten sich die beiden Frontmänner Chuck Ragan und Chris Wollard an Soloarbeiten, während Schlagzeuger George Rebelo bei Against Me! anheuerte. Eine Rückkehr war nie ausgeschlossen – denn bereits im letzten Jahr veröffentlichte die Band eine 7″ Vinyl mit neuem Material. Doch ‚ Exister ‚ wurde zum eigentlichen Test. Könnte Hot Water Music ein Album produzieren, dessen gesamte Energie und Leidenschaft an die damaligen Tage zurückführen würde? Chuck Ragan, Chris Wollard, Jason Black und George Rebelo können. Mit Hilfe von Bill Stevenson und Jason Livermore wurde in den Blasting Room Studios ein sauber produziertes Album mit tendierender Aussicht auf Erfolg aufgenommen. Bereits der erste Track ‚ Mainline ‚ hinterlässt durch den gewichtigen Trommelwirbel taumelnde Menschen zurück, dazu anklagende Texte, eingebettet in grundlegende Songstrukturen, beweisen Hot Water Music eindrucksvoll, wie sachlicher Punk-Rock zu klingen hat. Keine unglaubwürdigen Übertreibungen, keine stumpfsinnigen – dafür großspurige Riffs im nächsten Stück ‚ Boy, You’re Gonna Hurt Someone ‚ – das alles kreiert einen universellen Appeal im ruppigen und stimmhaften Rock-Stil. Und irgendwie brauchten Hot Water Music noch eine kurze Aufwärmphase. Denn mit ‚ State Of Grace ‚ und ‚ Drown In It ‚ hat die Band aus Kalifornien zwar wieder Ihre leichten Tendenzen zur dominierenden populären Rock-Musik aufgenommen, Doch dahinter stecken intelligente Gitarren-Riffs und stetige Bemühungen, weshalb man als Hörer eigentlich niemals den Reiz an den neuen Songs verlieren wird. ‚ Safety ‚ sorgt nach der ruhigen Nummer ‚ Drag My Body ‚ für einen weiteren Adrenalinausstoß, während das gleichnamige Titelstück dann ein wenig zu simpel gestrickt dem Hörer gegenübertritt. Auch ‚ Wrong Way ‚ mag nicht überzeugen und generell bleibt am Ende auch der erste Teil die bestimmende Kraft von ‚ Exter ‚. Doch das gesamte Ergebnis ist alles andere als enttäuschend. Die Herrschaften sind älter geworden, weiser und spielen hier äußerst feinen Post-Hardcore für Erwachsene.