METALLICA bündeln Zorn, Kontrolle und Selbstbeobachtung zu einem späten Doppelalbum. Kein Nostalgietrick, kein Abgesang. Ein Werk zwischen Disziplin, Übermaß und kontrollierter Eskalation.
Acht Jahre nach „Death Magnetic“ kehren Metallica mit „Hardwired… to Self-Destruct“ nicht als reuige Veteranen zurück, sondern als Band, die ihre eigene Geschichte kennt und ihr zugleich misstraut. Der lange Entstehungsprozess, geprägt von wechselnden Zeitplänen, Tourunterbrechungen und einer schrittweisen Abkehr vom überhöhten Produzentenmythos, formt ein Album, das weniger von plötzlicher Inspiration als von Beharrlichkeit lebt. Greg Fidelman übernimmt eine vermittelnde Rolle zwischen technischer Kontrolle und pragmatischem Vorantreiben. Rick Rubin bleibt als geistiger Referenzpunkt präsent, ohne das Album in eine ideologische Richtung zu pressen. Das Resultat ist kein Konzeptalbum im klassischen Sinn, sondern ein breites Panorama aus Selbstbeobachtung, Zerstörungsfantasien und einer späten, ernüchterten Form von Wut.
Der Auftakt „Hardwired“ setzt bewusst auf Reduktion. Drei Minuten, ein direkter Zugriff, fast provokativ simpel. Dieser Einstieg wirkt wie eine falsche Fährte, denn schon „Atlas, Rise!“ dehnt das Material wieder aus, arbeitet mit melodischen Doppelgitarren und einem Aufbau, der weniger auf Explosivität als auf Zermürbung setzt. Hetfield’s Stimme steht dabei im Zentrum. Sie ist kontrollierter als in den neunziger Jahren, zugleich härter geführt als auf „Death Magnetic“. Zeilen wie „Life’s for my own to live my own way“ klingen weniger wie Parolen, sondern wie eine späte Selbstvergewisserung.
Thematisch kreist das Album um Selbstzerstörung als Struktur, nicht als Ausnahme. „Moth Into Flame“ seziert den Mechanismus von Ruhm und Auszehrung, während „Dream No More“ mit Lovecraft-Motiven arbeitet und eine träge, drückende Atmosphäre entfaltet. Hier zeigt sich eine der Stärken des Albums: das bewusste Zulassen von Schwere. Viele Stücke überschreiten die Sechs-Minuten-Marke, nicht aus Selbstzweck, sondern weil Metallica den Raum benötigen, um ihre Riffs auszuspielen, zu wiederholen, zu variieren. Diese Länge fordert Geduld, belohnt jedoch mit einer inneren Logik, die sich erst über die Laufzeit entfaltet.
Der zweite Teil des Albums offenbart zugleich die Grenzen dieses Ansatzes. „ManUNkind“ und „Confusion“ verfügen über markante Einzelideen, verlieren aber an Spannung, je länger sie sich ausdehnen. Hier wird das Doppelalbum zur Hypothek. Nicht jeder Gedanke trägt das Gewicht, das ihm zugemessen wird. Gleichzeitig gelingen mit „Here Comes Revenge“ und dem abschließenden „Spit Out the Bone“ Momente, die zeigen, wie scharf diese Band noch zuschlagen kann, wenn Fokus und Aggression zusammenfinden. Letzterer wirkt wie ein bewusst gesetzter Kontrapunkt: schnell, präzise, beinahe jugendlich in seiner Verbissenheit.
Das Albumcover verdichtet diese Ambivalenz visuell. Die fragmentierten Gesichter, übereinandergelegt und farblich verzerrt, spiegeln die innere Zerrissenheit der Songs. Keine heroische Pose, kein ikonisches Symbol, sondern ein Bild permanenter Überlagerung, als würden verschiedene Versionen derselben Person gleichzeitig um Kontrolle ringen. Diese Bildsprache korrespondiert mit der Musik, die selten eindeutig triumphiert, sondern immer wieder in sich zurückfällt. „Hardwired… to Self-Destruct“ ist kein makelloses Werk und beansprucht das auch nicht. Es ist zu lang, stellenweise selbstverliebt, gelegentlich repetitiv. Zugleich zeigt es eine Band, die ihre Mittel kennt und sie mit einer Disziplin einsetzt, die lange gefehlt hat. Metallica liefern kein Denkmal, sondern ein belastbares Dokument ihrer Gegenwart.
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