HIM – Screamworks: Love In Theory And Practice, Chapters 1-13

Hat sich am Sound von HIM etwas auf der neuen Platte verändert? Nein eigentlich nicht. Und das ist eigentlich bemerkenswert, blickt man dabei auf die äußeren Umstände. Denn hier hat sich tatsächlich etwas getan. Sänger und Frontmann Ville Valo mit seiner markanten Stimme nimmt angeblich nach eigenen Aussagen keine Drogen mehr zu sich. Und auf den Alkohol hat er dann gleich mit verzichtet. Warum wird man sich jetzt fragen. Natürlich in erster Linie weil durch das viele Blut kotzen ein anständiges Arbeiten einfach nicht mehr möglich ist. Nebenaspekt aber bei weitem nicht so wichtig: Es trägt auch zu einer gesünderen Lebensform bei. Aber nach 19. Jahren Band-bestehen ist das schon mal einen kleinen Applaus wert. Nicht viele Bands können nach dieser Zeit behaupten noch erfolgreiche Platten zu veröffentlichen. Doch Ville Valo scheint äußerlich wie innerlich kein bisschen älter geworden zu sein und so bestimmen auch dieses Mal wieder die düsteren Themen seine schemenhaften Gedanken. Das siebte Studioalbum befindet sich wieder an den Abgründen der guten Pop Musik und beschäftigt sich den allgegenwärtigen Themen wie Herzschmerz, Trennungen und wälzt sich dabei in fieberhafter Arbeit und hoffnungsloser Verzweiflung seit undenklichen Zeiten. Him haben auf ‚ Screamworks: Love In Theory And Pratice, Chapters 1-13 ‚ eine Vorliebe für melodramatische Songs Ende der 80er Jahre und Anfang der 90er Jahre. Ein bisschen erinnert es an den Stil von New Model Army, Dream Theater, Mission UK und dient als effizientes Mittel, dass nur auf gesamter Strecke ein wenig zu vorhersehbar wirkt. Abhilfe schaffen hier Stücke wie ‚ Venere Veritas ‚, ‚ Heartkiller ‚ und ‚ Katherine Wheel ‚ mit soliden Haken und angemessener Tiefe. Auf der Gegenseite lassen sich leider auch ein paar recht peinliche Momente finden und Texte die lauten, „The promise of heaven, pushed us right back to hell/ Turned three sevens, back to three sixes again” und damit besser in ein verweintes Notizbuch gehören. Aber insgesamt überzeugt die neue Platte von HIM und wird auch langjährige Fans der Gruppe zufrieden stellen. Natürlich mussten die Finnen aufgrund Ihres hohen Bekanntheitsgrades in den letzten Jahren bei der Individualität Abstriche hinnehmen. Der Kommerz macht auch bei HIM keinen Halt und so klingt ‚ Screamworks: Love In Theory And Pratice, Chapters 1-13 ‚ wie ein amerikanischer Felsen umspült mit dunklen finnischen Wurzeln. Es beweist das Ville Valo wohl auch ohne Drogen und Alkohol überzeugende Musik komponieren kann und trotz der hohen Zugänglichkeit der dreizehn Stücke, bleibt am Ende der unbefriedigende Gedanke hier inmitten einer Selbsthilfe-Satire zu sitzen.

5.6