HANNAH FRANCES Bedrock
Zwischen Stille und Aufbruch entfaltet HANNAH FRANCES auf BEDROCK eine schwebende Meditation über Verlust, Zugehörigkeit und die fragile Kunst des Wiederfindens in Klang, Stimme und Raum.
Hannah Frances hat sich in den vergangenen Jahren zu einer der still leuchtenden Figuren der amerikanischen Folklandschaft entwickelt. Ihre bisherigen Veröffentlichungen zeichneten sich durch eine fast asketische Klarheit aus, getragen von einer Stimme, die zugleich verwundbar und unbeirrbar klingt. Mit „Bedrock“, ihrem fünften Album, erreicht sie eine neue Tiefe. Die Platte erzählt vom Erwachen nach langen inneren Wintern, von der Mühsal, wieder Vertrauen in das Leben zu fassen, von der Sehnsucht, einen Ort zu finden, an dem man sich selbst nicht mehr suchen muss.
Frances beschreibt diese Reise nicht in großen Gesten, sondern in kreisenden Bewegungen: „The center cannot hold when the war is in the fold of the bedrock“, singt sie, und diese Zeile wird zum stillen Herz des Albums. Musikalisch öffnet „Bedrock“ eine Landschaft zwischen Folk, Ambient und experimenteller Kammermusik. Gitarre, Harmonika, Klarinette und feine Percussion verweben sich zu einem atmenden Gewebe, das ständig zwischen Intimität und Weite oszilliert. Der Opener „Honey, Hear Me“ gleitet wie ein beschwörendes Gebet durch den Nebel eines frühen Morgens. „Sea Bell“ trägt die Melancholie eines Gezeitenlieds, in dem Wasser zur Metapher für Erinnerung wird. Frances singt: „My heart is a sea bell“, und tatsächlich klingt ihre Stimme, als würde sie in einem Raum aus Glas und Licht verhallen.
Später in „The Wolves“ findet sie zu einer archaischen Ruhe, während sie vom Einswerden mit der Natur erzählt. Produzent Logan Miley fängt jede Bewegung dieser fragile Balance ein, lässt Stille so wirken, als sei sie ein weiteres Instrument. Das Albumcover zeigt eine halb im Licht versunkene Gestalt, weich verschwommen, wie durch eine Träne betrachtet. Diese visuelle Unschärfe spiegelt den Zustand, in dem sich „Bedrock“ bewegt: zwischen Bewusstsein und Traum, Erinnerung und Gegenwart. Die Konturen verschwimmen, doch im Innern entsteht eine neue Schärfe. So wird „Bedrock“ zu einem Werk über das Werden – über die Stille, in der alles noch einmal beginnt.
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