BIRDS ON A WIRE Nuées Ardentes
Zeitlose Anmut und flüchtige Glut: Wie BIRDS ON A WIRE auf NUÉES ARDENTES Popgeschichte, barocke Sehnsucht und jugendliche Aufbrüche zu einem glühenden Klangatlas verweben.
Zwölf Jahre nach ihrer ersten Begegnung loten Rosemary Standley und Dom La Nena erneut die fragile Grenze zwischen Vergänglichkeit und Erneuerung aus. Ihr drittes Album „Nuées Ardentes“ erscheint wie eine Einladung, das Bekannte zu verlernen. In der Reduktion auf Stimme und Cello entfalten Birds On A Wire eine stille Monumentalität, die weit über Coverkunst hinausgeht. Songs wie „The Lovecats“ oder „Smalltown Boy“ verlieren ihre popkulturellen Ornamente, werden bis auf den Kern entkleidet und öffnen sich einer melancholisch-leuchtenden Zeitlosigkeit. In dieser Leere atmet alles neu: Das Cello verwandelt sich in Orchester, Schlagwerk, manchmal in eine zweite Stimme, während Standley’s Timbre zwischen kindlicher Verletzlichkeit und weltmüder Eleganz oszilliert.
Dass die Maîtrise de Radio France dem Duo chorale Weite schenkt, hebt die Stücke aus der Kammermusik heraus und lässt sie zu liturgischen Miniaturen anwachsen. „People Are Strange“ klingt hier weniger nach The Doors als nach einer Prozession durch Nebel und Erinnerung, „La Jeunesse des morts“ wirkt, als wäre es aus Stein gehauen. „Perlimpinpin“ von Barbara verliert jede Spur von Ironie und wird zu einem flehenden Hymnus auf die Vergeblichkeit – oder auf das Weiteratmen trotz allem. Das Cover von „Nuées Ardentes“ zeigt Figuren, die aus einem barocken Gemälde herauszuschreiten scheinen, in einem Rahmen gefangen und doch in Bewegung. Diese Szene spiegelt das Album ideal: eine Kunst zwischen Epochen, in der Stillstand und Aufbruch ineinanderfallen.
„Birds On A Wire“ verweben Renaissance-Gestik, 80er-Jahre-Erinnerung und lateinamerikanische Poesie zu einer schwebenden Dramaturgie. Was in anderen Händen manieriert wirken könnte, gerät hier zur Studie über Klang als Erinnerungsträger – brüchig, schön, radikal entschleunigt.
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