Ghostpoet – I Grow Tired But I Dare not Fall Asleep

Ghostpoet hat sich schon immer wie ein Lockdown-Künstler angehört, der mit Problemen der sozialen Isolation zu kämpfen hat. Es ist schwer, sich viele Indie-Künstler vorzustellen, die einen hartnäckigeren und eigenwilligeren musikalischen Weg eingeschlagen haben als der 37-jährige Londoner Obaro Ejimiwe. Sein fünftes Album als Ghostpoet mit dem Titel „I Grow Tired But I Dare not Fall Asleep“ ist voller seltsamer, brütender Schlafzimmer-Soundtracks, die Elemente von Elektronik, Trip Hop, Post Punk und Alternative Rock mischen. Ghostpoet fügt gesprochene Texte hinzu, die in einer beunruhigenden und müde resignierten Monotonie geliefert werden. Es ist Musik, die nach Angst und Unruhe stinkt und die uns in einer sensiblen Gesinnung auf die Nerven geht, aber dennoch eine seltsame, jenseitige Schönheit ausstrahlt. Es ist das rasselnde Geräusch im Nervenzusammenbruch eines anderen.

„I Grow Tired But Dare Not Fall Asleep“ zeigt, wie Ghostpoet nicht vor dringenden Problemen zurückschreckt – er geht sie direkt an. Wie immer tut er dies mit Brillanz und genrewidrigen Klängen. In dem eröffnenden Stück „Breaking Cover“ sendet Ghostpoet gemischte Botschaften – “I am alive, I am alive, I am alive / I want to die” – die Texte enthüllen tiefe, widersprüchliche Gefühle. Er folgt mit noch mehr Verwirrung: “I need a break. I need a break. You need a break. We need a break. They need a break. It’s all on top. There’s too much noise”. Bei sechs Minuten und 30 Sekunden ist keine Zeit für einen Flirt mit der Musik. Vielmehr ist dieser erste Titel eine Einladung, sich voll und ganz in den brütenden, intensiven Sound des Albums zu vertiefen.

Die erste Single „Concrete Pony“ ist wiederkäuend, angefangen mit Entstellung und Zerteilung der modernen Gesellschaft, während „Black Dog Got Silver Eyes“ stolpernde Beats liefert und „Humana Second Hand“ zutiefst introspektiv auf den Hörer wirkt. “Once again, the happy pills ain’t doing shit,” fragt Ghostpoet, “What becomes of me?”, bevor er einen geflüsterten Vers mit abschreckender Wirkung spricht. Die Originalität von Ghostpoet wurde seit seinem Debüt 2011, „Peanut Butter Blues & Melancholy Jam“, mit zwei Mercury-Nominierungen gewürdigt. Sein neues Album basiert auf einem schönen, flüssigen Bassspiel, das einen silbernen Faden durch die strukturierte Mischung aus unzusammenhängenden elektronischen Geräuschen, zersplitterten Gitarren und gespenstischen Ambiente bietet. 

Ghostpoet hat damit ein weiteres fantastisches, authentisches Werk geschaffen, dass Gemeinschaft, Verbindung und Zusammengehörigkeit neu definiert.