Emika – Emika

Hätte man direkt nur ein paar Augenblicke für die eigenen Gedanken Zeit, bis eine treffende Beschreibung über die Mundwinkel gelangen müsste, ich würde an Eigenschaften wie instabil, unbeständig und zerbrechlich denken. Es beschreibt das gleichnamige Debüt von Emika in seinen Grundzügen sehr genau, dazu gesellen sich klappernde Bässe, gebrochene Beats und das einnehmende Gefühl, dass hier unter Umständen nicht alles in den vorgegebenen Bahnen rotiert. Blickt man dagegen über das Grundgerüst, erwartet uns im Verlauf der zwölf Stücke eine verkleidete und deutlich wahrnehmbare Gewalt. ‚ 3 Hours ‚ beginnt mit einem Art Roboter-Pop-Vorrichtung in surrealistischen Welten, einer zerstörten Stimme und einfallenden Bässen deren Übermacht beeindruckend erscheint Wir vereinen uns in diesen Momenten mit offensichtlich futuristischen Idealen und galoppieren durch das Middle-Eastern gefärbte ‚ Common Exchange ‚. Im Anschluss verschlucken uns die tiefen Bässe in ‚ Professional Loving ‚ erneut, es wird brütend heiß und ein unerbittlicher Kampf gegen diese unermesslich große Wolke beginnt. Gefüllt mit der dunkelsten Materie, werden wir damit überschüttet, der Blick verschwommen, die Luft zum Atmen kaum noch vorhanden, ertönen plötzlich die letzten vernommenen Klänge des Glockenspiels. Unsere Zeit scheint abgelaufen. Den Rest der Platte erleben wir in einem schlafähnlichen Bewusstseinszustand, aber auch einen höchst konzentrierten Bewusstseinszustand, bei dem es gilt sich intensiv mit der vorherrschenden Thematik zu beschäftigen. Denn die Musik von Emika ist viel mehr als nur das Versteck genickbrechender Bässe: Die Musik von Emika ist Dubstep, Techno und Pop, vokal und instrumental, puristisch und eklektizistisch, funktional und experimentell. Manchmal erstickt man zwar unter der Desorientierung und den wurzellosen metallischen Klängen, doch besonders in Songs wie ‚ Count Backwards ‚ zeigt Emika Ihre zurückhaltende Seite, wenngleich sich auch hier eine ungewöhnliche Dichte entdecken lässt. Die zweite Single ‚ Double Edge ‚ zeigt die gleiche Wirkung wie die erste Single mit Ihrer effektiven Kombination von Klavier und Bass, die wieder ähnlich gemischte Gefühle der Verletzlichkeit und der zugrunde liegenden Bedrohung hervorrufen. ‚ Pretend ‚ ist von einer klaustrophobischen Intensität geprägt, dessen metalischer Beat sich kalt wie Maschinen in unsere Köpfe hämmert. Die in Großbritannien geborene Sängerin und Produzenten tschechischen Ursprungs wohnt derzeit in Berlin und liefert auf Ihrem Debüt eine faszinierende Arbeit ab: dunkel, verführerisch und so schwer zu fassen wie die Schöpferin selbst. Ihr atmosphärischer Sound, langsam brennend und basslastig, trägt Einflusse von Bristol, Emika’s ehemaliger Heimat, bis zu Portishead in sich und doch vermischt sich darin alles auf einmal und nichts von alledem. Ja, das Album ist dunkel und manchmal erschreckend kalt, aber wie eine bandagierte Puppe sucht es die Sehnsucht, die Aufmerksamkeit und die Liebe. Es bleibt auch genügend Pop um die Zugänglichkeit nicht zu verlieren und dunkel genug – um tatsächlich in den Gothic Abgrund zu steigen. Fast in der selben Art und Weise wie Zola Jesus – geheimnisvoll und provokativ. Man sollte sich das Werk nicht entgehen lassen – es wird einem den Atem rauben…