Georgia – Seeking Thrills

Das freudvolle Cover zu Georgia’s zweitem Album „Seeking Thrills“ wurde von der San-Francisco-Fotografin Nancy Honey geschossen, die in den 1980er Jahren junge Frauen an Abenden im Norden Englands fotografierte. Honey’s Foto fängt die seltsame Spannung der Tanzfläche ein: Es ist ein öffentlicher Raum, ja, aber auch ein zutiefst individualistischer, in dem Feiernde ihre eigenen Erzählungen im Einklang zum Ausdruck bringen. Es ist dieser Widerspruch, der sich über eine tadellos produzierte Platte zieht und gemeinsam mit der neu gewonnenen Nüchternheit, besticht das Album durch intensive Klarheit und eine allumfassende Lebenslust, die diese 13 Tracks von einer bewanderten Hommage an die großartigen Tanzszenen – wie Chicago House und Detroit Techno – in ihr eigenes Reich hebt.

Die in London ansässige Produzentin und Sängerin beginnt mit „Started Out“, das die düstere Basslinie von Fingers Inc.’s „Mystery of Love“ aufgreift und in etwas Besseres verwandelt. Von hier aus wirbelt sie durch eine labyrinthische Platte, die zwischen dem schreienden Punk von MIA in „Feel It“ und den schlurfenden, schreienden Texturen von Frankie Knuckles schwankt. Während das selbstbetitelte Debüt von 2015 eine ruhige Grundlage bildete, lehnt sich Georgia bei „Seeking Thrills“ viel stärker an die Late-Night-Grooves an, die ihren Durchbruch unterstützt haben. Es gibt keinen Mangel an Ideen, „I Can’t Wait“ fährt entlang der Regenbogenstraße und Songs wie „About Work the Dancefloor“ (mit Abstand ihr eingängigster Song) zeigen, dass der Drang, sich im Club zu verlieren, genauso groß ist wie sich in jemanden zu verlieben. 

Während dieser Track glitzernder Synth-Disco ist, der Robyn’s Bestleistung in nichts nachsteht, ist das ebenso überzeugende „Never Let You Go“ eine rasante New-Wave-Nummer mit der Kraft einer ganzen Band. Insgesamt hinterlässt ihr zweites Album jedoch den überwältigenden Eindruck einer Musikfanatikerin, die auf der Tanzfläche Menschen zusammenbringen kann. Ein Track wie „Feel It“ hat eine flatterhafte Qualität, die sich von einem Pop-Konfekt zu etwas viel gezackterem verwandelt. Georgia kennt ihre Tanzmusikgeschichte und weiß, wie ein Rave im Jahr 2020 aussehen soll: feierlich und gemeinschaftlich. Wie das erste Georgia-Album ist „Seeking Thrills“ ein raffiniertes, emotional komplexes Pop-Werk und ein aufschlussreiches Dokument ihres Lebens, das sich unter den Lichtern der Discokugel zu voller Schönheit entfaltet.