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FKA TWIGS EUSEXUA Afterglow

2025

FKA TWIGS öffnet auf EUSEXUA AFTERGLOW ein vibrierendes Nachspiel voller Kontrollgewinn, Körperpolitik und verletzlicher Ekstase. Ein Album zwischen Rave, Rückschau und Selbstentwurf, das die Spuren der vergangenen Monate sammelt und in futuristische Clubmusik verwandelt. 

Die Vorgeschichte dieses Albums trägt Schwere und Unruhe. Nach dem Erfolg von „Eusexua“ geriet die geplante Tour ins Stocken. Visa, Flüge, Abläufe: alles brach weg. Der Aufwand aus Monaten intensiver Vorbereitung verpuffte. FKA twigs reagierte mit einem radikalen Umbau ihres Arbeitsumfelds, übernahm Logistik und Planung selbst, studierte Routen, Zollverfahren und Zeitfenster, um künftig unabhängig zu agieren. Diese nüchterne Entschlossenheit fließt in das neue Werk ein. Die Songs entstanden nicht aus Erschöpfung, sondern aus dem Wunsch nach Kontrolle. Aus einem Bedürfnis, die eigenen Bedingungen zu definieren, nicht mehr fremdbestimmt im Chaos zu treiben.

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„Eusexua Afterglow“ verdichtet diesen Übergang in elf Tracks, die in einer fließenden Dramaturgie ineinander gleiten. Die Eröffnung mit „Love Crimes“ erzeugt sofort Spannung. Der pulsierende Viererbeat wirkt wie ein pochender Resttraum aus der vorangegangenen Nacht, während der Text eine Mischung aus Souveränität und Verletzlichkeit formt. Die Zeile „Your body’s a death trap, precious like a teardrop“ schärft den Blick für jene Ambivalenz, die sich durch das gesamte Album zieht. Nähe bleibt reizvoll, gleichzeitig gefährlich. Begehren wird seziert, nicht verklärt. „Slushy“ tastet sich an die Frage heran, wie Trost, Erinnerung und Selbstbehauptung zusammenfinden können. Der Song umkreist schlichte Alltagsbilder, legt darunter jedoch eine nervöse Elektrizität aus schimmernden Arpeggios und flirrenden Beats. 

Er wirkt wie ein Moment, in dem man nach einer durchzechten Nacht die Stadt neu erkennt. Die Übergänge werden weicher, die Zerbrechlichkeit sichtbarer. „Cheap Hotel“ nutzt verzerrte Vocals und fragmentierte Beats, um Intimität eher anzudeuten als auszuerzählen. Die Leichtigkeit besitzt eine brüchige Oberfläche. Ein dramaturgischer Höhepunkt liegt im Mittelteil. „Predictable Girl“ wuchtet scharfkantige Synths in den Vordergrund und lässt die Stimme durch eine eng gefasste Produktionsästhetik gleiten. Direkt danach entfaltet „Sushi“ seine frei drehende Energie. Die Zeilen über nächtliche Ausflüge, Karaoke und unberechenbare Verlangen wirken überdreht, aber im Kern treffend. Der Song schiebt sich in Richtung Ballroom, löst die vorherige Strenge auf und formuliert ein befreites Spiel mit Intimität. Humor taucht erstmals deutlicher auf, allerdings ohne den Ernst der vorangegangenen Stücke vollständig abzuschütteln.

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Der Schlusskomplex bringt die fragile Seite zurück. „Lost All My Friends“ kreist um Clubnächte, in denen die Orientierung bröckelt. Die Refrainzeilen über verlorene Freunde und versiegende Erinnerung erzeugen einen klaustrophobischen Unterton. Es gibt keinen erlösenden Höhepunkt, nur ein langsames Durchgleiten. „Stereo Boy“ schließt mit einer Mischung aus Sehnsucht und Resignation. Die Zeile „I heard the static in your heart“ beschreibt distanzierte Beziehungen, die über Geschwindigkeit, Ablenkung und Selbstinszenierung stolpern. Die Atmosphäre bleibt offen, nicht vollständig aufgelöst. Im Zusammenhang mit diesem Klangkosmos gewinnt das Cover an Bedeutung. Das digital verfremdete Gesicht, die gläsernen Strukturen, die fast skulpturale Kälte: all das spiegelt die Auseinandersetzung mit Körperbildern, mit Identität im Zeitalter der Reproduktion. 

Die Figur wirkt zugleich verletzlich und künstlich, ein Körper zwischen Fleisch und Oberfläche. Dieser visuelle Hybrid passt zur musikalischen Haltung, die zwischen Erdung und Entrückung pendelt. Stellenweise stagnieren einige Tracks im ästhetischen Rahmen, statt ihn weiterzutreiben. Der Verzicht auf tiefere narrative Ebenen macht sich bemerkbar, vor allem im direkten Vergleich mit dem Vorgänger, der emotional komplexer arbeitete. Dennoch bleibt „Eusexua Afterglow“ ein Werk mit markanten Momenten: präzise, mutig im Zugriff, klar in der Selbstbehauptung. Es leuchtet weniger grell als „Eusexua“, besitzt jedoch eine entschiedene Konsequenz, die ihre Wirkung langsam, dafür eindringlich entfaltet.

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90
surreal
2025
EUSEXUA Afterglow
UH -0027- SI

Dieses Album ist innerhalb seiner Stimmung platziert und bewertet. Die folgende Auswahl zeigt Titel derselben Stimmung, die im Ranking darüber oder darunter liegen. Sie dient der Einordnung, nicht der Empfehlung.

gruppe
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