Why? – Mumps, Etc.

Yoni Wolf, sein Bruder Josiah und Doug McDiarmid sind der unerschütterliche Kern in der Mitte dieses wild-bunten Kaleidoskops namens WHY? aus Berkeley, Kalifornien. Um Ihre Musik zu verstehen benötigt es Zeit, Ihre Melodien machen meist was sie wollen, kriegen nur selten den Mund so richtig voll und türmen sowieso am Liebsten nicht mehr enden wollende Arrangements zu nebeneinander stehenden Gebirgslandschaften auf. Und mit äußerst eigenwilligen Kreationen  rappelt sich dazu Yoni Wolf mit enormer Bild- und Wortgewalt an seinen Neurosen ab. Und dabei klimpern die Songs nach dem ersten Durchlauf fast schon zart und zerbrechlich durch die Strophen. Es bedarf eben einer akribischen Arbeit um die ausgefallene Romantik, und die wundervoll geschmückten Geschichten, als ein großes Meisterwerk zu verstehen.

Zwar gibt es auch Songs, wie das zähe ‚ Way High On Highway ‚ oder das dahin dümpelnde ‚ Distance ‚, die auch nach mehrmaligen Hören nicht zünden, doch in dem besagten Großen und Ganzen ist ‚ Mumps, etc. ‚ nicht nur Ihr neuer und „richtigen“ Longplayer, sondern auch eine Platte zum dahinschmelzen. Melodiös und melancholisch, mit Eindrücken aus Soul, Reggae und Rap versehen, ergibt sich daraus meist eine magische Anziehungskraft, eine unumstößliche Selbstverständnis und eine Dynamik, deren erfrischende Andersartigkeit herrliche Mutationen zur Folge haben. Mit reichlich Normalität versehen wurde dagegen die erste Single ‚ Sod In The Seed ‚: Rap in den Strophen, feinfühlige Chöre im Refrain. Und auch das kommt unheimlich gut an. Die Orchestrierungen auf ‚ Mumps, etc. ‚ stammen teilweise von den WHY? Mitgliedern, die eine Reihe an komplizierten Percussion-Instrumente verwenden, wie auch regelmäßig das Klavier, Gitarre, Bass und Schlagzeug.

Es sind aber auch Kinder aus der North Texas Musikschule zu hören, die während den Aufnahmen in Denton, Texas, im Studio von Centro-Matics‘ Matt Pence kurzerhand rekrutiert wurden. Das gesamte Album wurde schwerst analog auf 2- Zoll Tapes aufgenommen (garantiert Sample-frei und keine Loops), produziert von den Gebrüdern Wolf und letztlich abgemischt in Atlanta, Georgia von Yoni da selbst mit Hilfe von Graham Marsh. In ‚ Thirst ‚ erzählt dann Wolf von, „G4 motherboards with ’90s porn in their cache, and barber’s trash, mixed in with the light-floating paper-ration rest, is only just some more smoke rising. No fleeting omen for your eyes only waiting, no ancient mystic spirits rising, or transluscent sage ghosts calmly speaking truths.“ Es ist lustig, schön und bissig zugleich. Danach folgen unbequeme Geständnisse, „I don’t wear rubbers and I don’t wear sunscreen“, Konflikte und widersprüchliche Gefühle, „preemptive nostalgia of the possible but doubtful“.

Und dann sind wir auch schon am Ende, wenn Yoni mit Hilfe von Pizzicato Geigen über den Tod sinniert – über seinen Tod natürlich. Und so endet schließlich das Album mit der schönen Zeile: „So I hold my own death as a card in the deck, to be played when there are no other cards left, I hold my own death as a card in the deck…“

8.0