erving – Lonely Girl at Heart by Erving

Erving. Eine Band mit Wurzeln in Massachusetts, Berlin, und Bremen. Eine junge Frau die bereits im zarten Alter von 13 Ihren Heimatort hinter sich ließ, das Stipendium eines renommierten Internats annahm und später Ihren Weg nach New Mexico fortsetzte. Aus Berlin stammt Uwe Effertz, den es damals auch in diese Gegend ziehen sollte und schlussendlich begegneten sich eines Tages Produzent Tom Krimi und Effertz wieder zu Hause in Berlin, der Ihm Carrie Erving vorstellte. Nachdem Carrie ebenfalls der Anziehungskraft Berlin’s nicht widerstehen konnte, lebt Sie seitdem ebenfalls in der Hauptstadt. Die Einflüsse aus früheren Tagen wurden glücklicherweise nicht in der alten Heimat zurückgelassen und so erwarten uns auf ‚ Lonely Girl At Heart ‚ zehn Songs über Sehnsüchte, die Suche nach Heimat „A bed on the floor in some foreign place/ A city of strangers and the same suitcase and candles and beers“, Geborgenheit und über das Streben nach Glück als Patentrezept. Gefühlsgetragene Erzählungen auf weichen Untergründen mit den typischen Klängen akustischer und elektrischer Gitarren sind aber noch lange nicht alles. Dazu gesellen sich einige exotische Instrumente wie Zither, Ukulele und Glockenspiele, sowie sich ständig brechende Drummachines und 80er Synthesizer-Bässe. Eine interessante Mischung, die selbst weniger zartbesaitete Seelen unter uns erfreuen dürfte. ‚ Lonely Girl At Home ‚ funktioniert dabei ganz ohne Hits, es gibt keine Hinhör-Songs. Es reicht die im Glanz erstrahlende Anwesenheit um den kurzen Moment der Erfülltheit in sich zu spüren. Die kleinen Dinge im Leben zählen bei Carrie Erving, die mit Ihrer Stimme oftmals Gänsehaut verursacht. ‚ Traveler’s Lullaby ‚ gehört zu diesen faszinierenden Zwischenspielen, während der Titeltrack ‚ Lonely Girl At Home ‚ immer wieder den leichten Blues Einfluss von Uwe Effertz zum Vorschein bringen kann. Dabei bleiben die Stücke überwiegend ruhig, nah und intim. Melancholisch erklingen in ‚ The Rain ‚ die Gitarren, die schweifenden und fragenden Blicke verschwinden in der aufsteigenden Dunkelheit und während die Melodien allmählich an Tempo gewinnen, ziehen die Wolken unheilvoll in der Höhe und lassen gegen Ende den langersehnten und dringlichen Regen über die durstende Wüste herab prasseln. Beeindruckend ist hier die Verbundenheit zwischen Amerikas Songwriter-Tradition und der Pop-Sensibilität Europas. Doch bei all der Schönheit und dem Mut zu experimentellen Klängen, wäre manchmal eine kürzere Spielzeit, wie auch im letzten Track ‚ Hushabye Darlin ‚, der Beliebigkeit das Eintreten in den ansonsten sehr überzeugenden Langspieler ‚ Lonely Girl At Heart ‚ verwehrt geblieben. Dennoch hinterlassen Erving erleuchtende Antworten und ein warmes Gefühl der Zufriedenheit in uns zurück. Das Gefühl einer erfolgreichen Suche nach sich selbst, wohin gehören wir wirklich und was sind die wahren Dinge im Leben- Ja, all diese Fragen werden nach dieser Odyssee wieder einen kleinen Schritt näher rücken.