Emma-Jean Thackray – Yellow

YELLOW von EMMA-JEAN THACKRAY strotzt vor Freundlichkeit und Verbundenheit durch seine musikalischen Botschaften und erinnert uns erfrischend daran, was es heißt, ein Mensch unter Menschen zu sein.

Die Platte – die sowohl Newcomer als auch Liebhaber des Genres gleichermaßen gefällt – trifft die transzendentalen und transportierenden Qualitäten, die Emma-Jean Thackray demonstrieren will. Die schimmernden Hi-Hats, schlurfenden Becken und jazzigen Klaviertasten des eröffnenden Highlights „Mercury“ heben ab zu einer kosmischen Reise der Erleuchtung, bevor ein leidenschaftliches Plädoyer auf „Say Something“ diejenigen anfleht, in ihren Worten Bedeutung zu finden, die meist lieber weghören möchten: „Open your eyes, before you open your mouth; open your heart to open up your mind,“, drängt sie, bevor unwiderstehliche Klaviertasten und ein schriller Bass perfekt mit ihrem beeindruckenden Stimmumfang gepaart werden. „Third Eye“ flitzt dagegen wie ein strömender Komet herum.

Im Mittelpunkt ihres Werks steht ein astronomisches Motiv, wobei die dynamischsten Kompositionen mit Chören die Namen von Himmelskörpern rufen und die interstellaren Motive von Sun Ra mit den spirituellen Einflüssen von Thackray wunderbar mischen. Refrains wie „hands up and reach for the sky, the sun gives life“ und „I call to Venus in the sky, she shows me loooooooove!“ gelten sowohl als Sammelruf nach Menschlichkeit als auch als Appell an eine höhere Macht. Die Botschaft des Albums von Hoffnung und Einheit bietet eine tröstliche Flucht aus einer Welt, die sich dieser Dinge entbehren kann. 

Zu den transzendentalen Botschaften gehören jedoch die Kernqualitäten des Albums: die musikalischen Kompositionen. Blechbläser und Streicher, Chorsegmente und ekstatische Gesänge verschmelzen freudig mit Elementen aus 70er Jazz Fusion, Psychedelia, P-Funk und Alice Coltrane-artiger Spiritualität, um in einem Sound zu gipfeln, der die Renaissance der britischen Jazzszene in letzter Zeit zu noch größeren Möglichkeiten treibt. Es ist selbstverständlich, dass „Yellow“ so viel stilistisches Terrain abdeckt, da Thackray den Londoner Jazz zu leben und zu atmen scheint.

Der Ehrgeiz des Projekts ist beeindruckend – umso mehr, wie dieser Ehrgeiz durch Thackray’s tadellose Arbeit als Arrangeurin und Produzentin erfolgreich umgesetzt wurde. Insbesondere die Art und Weise, wie sie durch die Fülle der Gesangsspuren navigiert und sie so unberührt wie möglich erscheinen lässt, ist eine erstaunliche Leistung.

7.4