DOJA CAT Vie
DOJA CAT zeigt auf VIE ihre wandelbare Seite zwischen 80s-Nostalgie, verletzlicher Romantik und spöttischem Witz – ein Album, das Liebe, Selbstbild und Popkultur in funkelnde Spannungsfelder verwandelt.
Doja Cat hat sich längst von den frühen Tagen auf Soundcloud emanzipiert. Aus der jungen Rapperin, die mit „MOOO!“ zwischen Ironie und Viralkultur landete, wurde eine globale Popfigur mit Grammy im Regal und Milliarden Streams. Nach dem düsteren, provokanten „Scarlet“ zieht sie nun die nächste Karte: „Vie“, ihr fünftes Studioalbum, klingt wie ein rauschendes Abenteuer zwischen Retroglanz und intimen Geständnissen. Das französische „Leben“ im Titel spielt doppelt – als Zahlenspiel zur römischen Fünf und als programmatische Selbstverortung.
Das Album eröffnet mit „Cards“, dessen Chorus „Play your cards right“ mehr ist als ein beiläufiger Haken – es ist ein Statement über Spielregeln in Beziehungen und Karriere. Danach setzt „Jealous Type“ den Tonfall, ein von Jack Antonoff und Y2K veredeltes Stück 80er-Pop, das Prince durchscheinen lässt, ohne die Zügel ganz aus der Hand zu geben. Doja singt: „Baby, I can’t hurt you, sure, but I’m the jealous type“ und verhandelt darin Besitzansprüche, die ebenso fragil wie kokett wirken. Zwischen den Zeilen blitzt ihre alte Schärfe auf, doch in funkelnden Neonfarben.
„AAAHH MEN!“ kippt ins Zynische, eine sleazige Groove-Studie mit Disco-Referenzen, die ihre Stimme in Spott und Lust zugleich badet. Doch „Vie“ bleibt nicht beim Sarkasmus stehen. „Gorgeous“ entfaltet sich als halb ernst gemeinter Hymnus auf Oberflächen, in dem sie das Paradox von Schönheitsdruck und Selbstbehauptung ironisch umarmt. Der Song klingt wie eine Tanzfläche im Blitzlichtgewitter, und das dazugehörige Coverbild – Doja hängt in schwebender Pose unter einem gelben Fallschirm vor tiefblauem Himmel – verstärkt die Metapher.
Schweben, gehalten werden, abstürzen oder landen: genau diese Schwebe prägt auch die Balladen „One More Time“ und „Come Back“, die das Album mit fast schmerzlicher Direktheit schließen. Besonders reizvoll wirkt „Take Me Dancing“ mit SZA, das zwar nicht an die Strahlkraft von „Kiss Me More“ reicht, aber ihre Stimmen in romantische Spannung legt. „Lipstain“ und „Acts of Service“ wiederum lassen die 80er-Fassade bröckeln und zeigen eine verletzliche, manchmal überdehnte Seite. Der rote Faden bleibt die ständige Suche: nach Nähe, nach Spiel, nach Rollenwechsel.
Doja Cat oszilliert auf „Vie“ zwischen kalkulierter Nostalgie und echtem Gefühl, zwischen ironischer Distanz und Offenheit. Nicht jeder Song hebt ab, manches wirkt zu glatt, doch im Gesamtbild zeigt sich eine Künstlerin, die ihre Vergangenheit nicht verleugnet, sondern neu arrangiert.
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