Dirty Projectors – Bitte Orca

Grandios. Erfinderisch. Praktisch unhörbar in dieser Dimension, wie es die Dirty Projectors in diesen verdammt eng sitzenden Kupplungen zwischen Melodie und Rhythmus zelebrieren. Jetzt kommt die ‚ Bitte Orca ‚ als nächstes Machtwerk auf uns zugerollt und begeistert wieder mit unnahbaren Strukturen, die sich mit dem Wort „Unübersichtlichkeit“ am Besten definieren lassen. Grund ist natürlich nicht das herrschende Chaos, sondern vielmehr die unendliche Tiefe und grenzenlose Kommunikation in diesen neun Stücken. Außerdem muss man diese Stücke verstehen um diese große „Unübersichtlichkeit“ erfolgreich zu navigieren und die Songs perfekt zu beherrschen. Anders wird es schwer werden und ohne Konzentration und geschickt organisierte Gedankenwege fast unmöglich, das Gehörte aufzunehmen und richtig in den kleinen grauen Zellen zu verarbeiten.

The Dirty Projectors sind mittlerweile dafür berüchtigt, Ihre Konzeptalben fast schon planlos zu veröffentlichen und bereits vier an der Zahl Ihr Eigen nenne dürfen. Oder waren es sechs? Schwer hier nachzukommen und den Überblick zu behalten. Die Band aus Brooklyn besteht seit 2002 und presst einmal im Jahr das gesammelte Liedgut auf Platte. Darunter befinden sich hin und wieder auch Coverversionen, wie zum Beispiel von dem Black-Flag Kracher ‚ Damaged ‚, die nach den Dirty Projectors in sämtlichen Einzelteilen am Boden zerstreut herum lagen.

Und wie so dort so lagen, zappelnd, um Luft ringend und scheinbar ohne jegliche Art von Struktur, so verhält sich ‚ Bitte Orca ‚ zwei Jahre später. Das wieder zusammen setzen ist kompliziert, vertrackt und meistens verlieren sich die nachvollziehbaren Teile im Sand. Aber trotzdem lassen die New Yorker ganz fabelhafte Gebilde daraus entstehen, die es erst nach mehrmaligen Hören zu verstehen gilt, bis sich die Melodien Schritt für Schritt aus der Dunkelheit heraus kristallisieren. Der Tumult ist natürlich anteilsmäßig überlegen, aber es kommt dafür das scharfsinnige Songwriting von Dave Longstreth genauso wenig zu kurz, wie die instrumentale Virtuosität der Band.

Sommerliches Klimpern auf ‚ Remade Horizon ‚, elektrisch, schrammig und zugleich idyllische Landschaften erwarten uns bei dem sechs-minuten Stück ‚ Useful Chamber ‚ und Kristalllinien- schwankende Gitarren schneiden sich in ‚ Cannibal Resource ‚ durch sanfte Wellen hindurch, während ‚ Stillness Is The Move ‚ die Apotheose, das blendende Highlight der Platte ist. Ja die Dichte an Details ist grenzenlos und würde man Sie alle aufzählen wollen – es ginge schlichtweg nicht. Genauso würde der Versuch gnadenlos scheitern, besser zu sein als Longstreth. Somit bleibt als Alternative die Unterwerfung vor diesem grandiosen Album und die Hoffnung, eines Tages die unübertroffene Klasse von Dave Longstreth, zumindest teilweise, zu erreichen.