Neil Young & Crazy Horse – Colorado

Das 39. Studioalbum des kanadischen Sängers und Songwriters Neil Young, dass gemeinsam mit der seiner Band Crazy Horse aufgenommen wurde, ist zugleich das erste Album mit Nils Lofgren seit 1971. Neben Neil Young selbst, wurde das Album mit Hilfe von John Hanlon produziert. Neil Young & Crazy Horse erneuerten ihre musikalische Bindung während einer Handvoll spontaner Shows im Jahr 2018 und begaben sich dann in die Rocky Mountains, um dort „Colorado“ aufzunehmen. Es ist eine ähnlich spontane Angelegenheit, die vielleicht zu informell für das eigene Wohl ist, aber dennoch eindrucksvoll die starke Chemie zwischen diesen erfahrenen Musikern einfängt.

Neil Young ist seit einem halben Jahrhundert angesagt und eine Ikone für alle, von Alex Turner und Kim Gordon bis zu Kurt Cobain und Nick Cave. Als widerstrebender Rockgott hat er nicht die extravagante Prahlerei eines Mick Jagger oder Little Richard, aber in seinen zerlumpten karierten Hemden hat er etwas noch Besseres: Authentizität. Gemeinsam mit dem nicht minder großen Lofgren hat Young ein Album herausgebracht, dass vertraut, aber zugleich frisch und aus dem Bauch heraus klingt. Mit „Think of Me“ beginnt „Colorado“ in einer etwas melancholischen Erinnerung, die von Mundharmonika und Klavier getragen wird. 

Diese Eröffnung führt in sehr kurzer Zeit zum dreizehnminütigen Track „She Showed Me Love“, und hier wird auch die Botschaft des Albums klar: Der Planet stirbt und wir müssen schnell etwas dagegen tun. Auch der Song „Shut It Down“ fängt dieses Gefühl mit einer dringenden Schönheit ein, wie es nur Young zelebrieren kann. „Green Is Blue“ mag sich wie eine sanfte Öko-Ballade anhören, doch nach dem nachdenklichen Gurren von Young, wirft er einen finsteren Schatten über den Planeten Erde. „We heard the warning calls / Ignored them / We watched the weather change / We saw the fire and floods,“ singt er und sagt, dass wir unsere Chance hatten, etwas zu tun, um den durch den Klimawandel verursachten Schaden zu stoppen, aber jetzt ist alles zu spät. 

Wir warten auf eine erlösende Schlusslinie, eine Salve, die uns das gute Gefühl gibt, dass alles in Ordnung ist. Aber es gibt keine: Stattdessen schwebt ein bedrückendes Bild eines Eisbären auf einem Stück Eis, der schon bald seinem einsamen Ende gegenüberstehen wird. Es kommt eine Zeit, in der alles gesagt wurde, was jemals zu sagen war, jede Note gespielt wurde und Neil Young befindet sich hier auf „Colorado“. Hier entspringt jedoch der Genuss des Albums. Das Songwriting könnte leicht darin bestehen, alte Songs wieder aufzuwärmen und auf Nummer sicher zu gehen, aber stattdessen hat er ein Album voller eingängiger Songs geschrieben, in dem es um die Zukunft geht. An die Vergangenheit wird keine Sekunde verschwendet. Wir hören einen Neil Young, der im Alter beständig besser wird.