Dear John Letter – Part And Fragment

Detailreich ist ein Bild, eine Skulptur, eine Aufmachung, eine Malerei oder auch andere Dinge dieser Art, die besonders mit einer ausführlichen Anreicherung vieler Einzelheiten in das Auge des Betrachters rücken. So gesehen am 15. Oktober 2010. Zwischen vielen anderen Platten und einem auftürmenden Stapel an Neuveröffentlichungen fanden wir ein Bild mit vier aneinander-reihenden Häusern, kleine Läden, wie auch ein Geschäft für Anoraks und einem darüberhängenden Schild mit der Aufschrift „DEAR · JOHN · LETTER / PART · AND · FRAGMENT“. Klappt man nun das gesamte Artwork (Verantwortlicher dafür war Gitarrist und Keyboarder Maximilian Stephan) der Platte auseinander, wirkt das Gesehene wie der bilderhafte Stadtplatz eines kleinen zufriedenen Städtchens, in dem es sich bestimmt gute Leben ließe. Unglaublich liebevoll wurde die gesamte Aufmachung gestaltet und zieht Ihren Radius bis hin zum Booklet und dem Aufdruck für den silbernen Rohling. Aber genug auf den Wegen träumerischer Phantasien gewandelt und hinein in das Wesentliche unserer Kritik – nämlich die Songs auf ‚ Part & Fragment ‚ und einer Band mit Namen Dear John Letter, deren Heimat überraschenderweise Deutschland ist. Man hätte es nach den gesehen Eindrücken und dem Opener wirklich nicht mit Sicherheit sagen können, doch die Band um Sänger Martin Fischer stammt aus Augsburg, Bayern, und ist damit ein weiterer hoffnungsvoller Kandidat für die Sparte experimentelle Musik zwischen Post- und Progressive Rock. Wobei gesagt werden muss, diese Einschätzung hatte deutlicheres Gewicht bei Ihrem Vorgänger und zersetzt sich nun in eine reflektierende, veränderungsreiche Zeit mit vielen neuen Elementen und einer sorgfältigeren Arrangierung. Übermalen wurden die zehn neuen Songs überwiegend mit einer grauen und düsteren Schattierung, die darin befindliche Melancholie hat jedoch etwas Bezauberndes gefunden und wirkt dadurch in der Grundstimmung deutlich aufgehellt. Während die Eingängigkeit im Gesamten an Konstanz gewinnt, bilden die einzelnen Songs krasse Differenzen zwischen 60 Sekunden und 10 Minuten Spielzeit. Nicht verwunderlich scheint dagegen die gewählte Aufnahmezeit von ‚ Part & Fragment ‚ in den kalten und verschneiten Monaten des vergangenen Winters. Trotzdem umspielt uns eine seltsame Wärme zwischen den Strophen, verwobene Fragmente gehen neben den eingängigen Passagen skizzenhafte Pfade und erfordern durch Ihre verschwommene Darstellungsweise nicht zuletzt ebenso unsere volle Aufmerksamkeit, wie die fließenden Ströme und deren glänzende Leichtigkeit bei der Entfaltung einer spannenden Ideensammlung. Dear John Letter bleiben auch am Ende Ihrer Reise eine sehr interessante Band, deren Soundgewand natürlich hervorragend in die kalten Tage geschneidert wurde und besonders so manche emotionale Gefühlslage einen weiteren Schub verpassen dürfte.