Zwischen unterkühltem Garagen-Rock und kalkulierter Reduktion suchen CITIZEN nach neuer Energie. Das neue Album CALLING THE DOGS verharrt jedoch oft in homogenen Schemata und hinterlässt ein Gefühl stilistischer Stagnation.
Mit einer kalkulierten Trockenheit greift die Gitarre in „Headtrip“ in den Raum, begleitet von einer Basslinie, die weniger auf Dringlichkeit als auf eine sture, fast teilnahmslose Frequenz setzt. Mat Kerekes presst die Wörter durch spürbar verengte Lippen, reduziert die einst expansive Dynamik seiner Stimme auf ein kontrolliertes, kurzatmig abgedecktes Spektrum. Das Aufschreien, das früher als rohes Korrektiv zur Melancholie fungierte, weicht einer affektierten, künstlich verknappten Manieriertheit. Am Ende der Phrasen setzt Kerekes kurze, isolierte Ausrufe ab, lässt danach Sekunden absoluter Leere verstreichen, bevor das Muster mechanisch von neuem anläuft.
Diese vokale Zurückhaltung ist kein isolierter Betriebsunfall, sondern das fundamentale Gestaltungsprinzip, dem sich das gesamte fünfte Album unterwirft. Citizen, erweitert zum festen Quintett durch Gitarrist Mason Mercer und Schlagzeuger Ben Russin, klingen auf „Calling The Dogs“ seltsam entwurzelt. Das Albumcover spiegelt diese künstliche Entfremdung präzise wider: Zwei Figuren gehen distanziert an einem Baum vorbei, dessen eine Hälfte in grell gemalten Flammen steht, während der karge Wald im Hintergrund vollkommen unbeeindruckt bleibt. Diese gemalte Kulisse markiert den Bruch zwischen inszenierter Bedrohung und tatsächlicher emotionaler Kälte – eine künstliche Überzeichnung, die das Fehlen echter musikalischer Dringlichkeit auf der Platte kaum kaschieren kann.
Die Songs bewegen sich in einem auffällig engen Korridor aus mittelschnellen Beat-Gitterstrukturen und starr verkoppelten Riffs. In „Can’t Take It Slow“ und „Hyper Trophy“ wiederholen sich die Bewegungsmuster mit einer Präzision, die eher nach Ermüdung als nach Fokussierung klingt. Die Produktion verlässt sich auf analoge Rauheit, bleibt aber in einer schablonenhaften Indie-Rock-Ästhetik gefangen, die weder die Wucht des Post-Hardcore noch die artifizielle Tanzbarkeit des Vorgängers „Life In Your Glass World“ erreicht. Ein Riff Spiegelt die Gesangslinie exakt doppelt, bevor es in eine vorhersehbare Gegenmelodie abbiegt; die Instrumentierung verharrt im Modus der bloßen Begleitung.
Ausbrüche aus dieser formalen Verengung bleiben seltene Ausnahmen, die das strukturelle Problem eher unterstreichen als lösen. Das strammer getriebene „Bad Company“ nutzt zwar kalkulierte Stille zur Akzentuierung der Zeilen und schichtet Vocals über ein danciges Drum-Fundament, verweigert aber die auflösende Verdichtung im Refrain. Selbst im harsch angesetzten „Dogs“, das mit gedämpften Shouts und aggressiverer Grundhaltung arbeitet, bricht die Inszenierung an ihrer eigenen Zuspitzung zusammen. Wenn Kerekes die Zeile „I’m calling the dogs and it’s gonna get rough“ ausstößt, wirkt das nicht wie ein bedrohlicher Ausbruch, sondern wie die krampfhafte Behauptung einer Schärfe, die das Arrangement zu keinem Zeitpunkt einlösen kann.
Gegen Ende versucht die Platte, ihre Formeln durch angehängte, interlude-artige Übergänge zu durchbrechen. Diese kurzen Sequenzen wirken wie fragile Nachgedanken, die den abrupten Wechsel zwischen den Titeln abfedern sollen, ohne dabei eine eigene narrative Kraft zu entwickeln. In „Options“ blitz noch einmal die dicht gestaffelte Melancholie auf, die das Quintett über Jahre hinweg perfektioniert hat, bevor „Takes One To Know One“ das Material erneut auf ein einfaches, geradliniges Tempo herunterbricht. Die Produktion glättet die Reibungsflächen, während die ständige Wiederholung derselben Gesangseffekte die Dynamik vollends einfriert.
Der Wandel von den hochdruckdynamischen Emo- und Post-Grunge-Architekturen früherer Tage hin zu einer verknappten, reduzierten Garagen-Rock-Mechanik zeigt eine Band, die ihre Formeln konsequent vereinfacht hat. Auf „Calling The Dogs“ wird diese Vereinfachung jedoch zur strukturellen Begrenzung: Die extrem verengte Bandbreite an Tempi, das strikte Festhalten an einfachen Songstrukturen und die mechanische Verteilung der Gesangs-Dynamics lassen das Album innerhalb der Diskografie von Citizen als den Punkt erscheinen, an dem die ständige ästhetische Häutung erstmals in eine formale Stagnation übergeht.
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