Caribou – Swim

Lässt man seine Blicke durch die nordamerikanische Wildnis schweifen, entdeckt man viele Indie-Acts. Angefangen bei den Grizzly Bears über die Mountain Goasts bis hin zu Band Of Horses. Doch sollte man bei dieser Aufzählung einen Mann nicht vergessen: Den kanadischen Elektronik-Musiker Daniel Victor Snaith aka Manitoba aka Caribou. Und auch dieses Mal bleibt es wieder eine schwerwiegende Aufgabe, das neue Album ‚ Swim ‚ zu klassifizieren, es als Schritt nach Vorne oder nach Hinten zu sehen gegenüber seines vielbeachteten Vorgängers ‚ Andorra ‚ aus dem Jahr 2007. Die Einflüsse auf ‚ Swim ‚ bewegen sich zwischen 60er Jahre Pop mit technologischen Zusatzstoffen und dem direkten Einsatz von Elektronik. Es ist dennoch keine charakteristische Tanzmusik, es folgt auch nicht dem Ruf für starre Strukturen und sich wiederholende Loops und lässt so alles, wie der Albumname bereits andeutet, schillernd durch sanfte Gewässer leiten. Es herscht eine durchgehende Unvorhersehbarkeit, die jedoch in keinster Weiße den musikalischen Genuss beeinträchtigen würde. Der Opener ‚ Odessa ‚ öffnet die neue Platte stilvoll und übergibt an das in der selben Strömung-fließende ‚ Sun ‚. Trotz des Namen finden sich hier keine sonnendurchfluteten Textpassagen, sondern dunkle, tanzbare und groovende Beats, die einzig durch den folgenden Song ‚ Kaili ‚ ausgebremst werden. Ein Titel der unter dem Genre Experimentel eingestuft werden darf mit seinen undurchsichtigen Schnörkeln, jazzigen Bläser-Arrangements und einer gedämpften Stimmung in verziehender Struktur. ‚ Swim ‚ deutet hier ein allumfassendes wie anspruchsvolles Dance-Pop-Album an, dessen Stärke wieder einmal die weiten Landschaften sind, umgeben von einer klangvoller Stille in trotziger Missachtung von Genre und Konvention. Und auch wenn das Album manchmal abseits der Wanderwege sich durch dunkle Büsche schlägt, befinden wir uns oft genug auf der sonnenverwöhnten Seite von ‚ Swim ‚. Doch ist es schlussendlich nur ein weiterer Beweis dafür, dass Caribou nicht zu den Menschen gehört der Anderen folgt, sondern stets seine eigenen Pfade begeht. Ein berauschendes Highlight findet sich in dem Stück ‚ Leave House ‚ wieder. Musikalische Verwirrungen in Perfektion, hüpfende Beats im 80er Jahre Design und ein wunderschöner Gesang von Luke Lalonde, der für so manchen Gelegenheitsfan nicht unmittelbar ersichtlich sein wird. Traumhaft und anmutig umschmeicheln uns die Melodien im abschließenden Track ‚ Jamelia ‚ mit poly-rhythmischen und aufliegenden Texturen, deren anschließender Chor auf die Stärken von Lalonde ausgerichtet wurde. Schlussendlich ist ‚ Swim ‚ ein weiteres Meisterwerk in der Diskographie von Snaith. Es versprüht seine markante Vertrautheit, überzeugt durch einen ehrgeizigen, dichten und kompositorisch wertvollen Inhalt. Besonders in Verbindung mit Kopfhörern wird man das neue Album von Caribou in abgeschotteter Form nicht wieder aus der Hand geben wollen: Zu schön die öffnenden Welten, zu anmutig die schwingenden Landschaften, zu eindrucksvoll die funkelnden Facetten in all Ihren Formen und Farben.