Black Lips – 200 Million Thousand

Nach zwei langen Jahren des Wartens bescheren Uns die Black Lips nun endlich Ihr fünftes Studioalbum. Aber sind wir mal ehrlich, die Frage nach Veränderungen sollten seit ‚ God Bad Not Evil ‚ – Zeiten der Vergangenheit angehören. Die vier Jungs aus Atlanta stehen dazu, sie lieben Ihren Sound, Ihre Melodien und Ihre stilistischen Gleichheiten. Während andere Bands sich darum bemühen, nach jeder Platte neue musikalische Hoheitsgebiete für sich zu beanspruchen, behalten die Black Lips konsequent den selben Weg im Auge. Aber Sie bessern Ihre Schwachstellen ein ums andere Mal aus, jedes noch so unschöne Detail wird fein säuberlich bearbeitet, verändert oder überstrichen bis es perfektioniert wurde. Ob die Bemühungen belohnt werden stellt sich natürlich wie immer erst nach dem letzten Track heraus. Tatsächlich dauert es diesmal länger zum ersten Aufrüttler, als noch zu Zeiten von ‚ God Bad Not Evil ‚ als ‚ O Katrina! ‚ mit simplen wie genialen Riffs die Menge zum Tanzen brachte. Auch mit spielerischen Tönen wussten die Black Lips auf ‚ Bad Kids ‚ und ‚ Veni Vidi Vici ‚ zu gefallen und durch diese Ausbrüche wurde auch die gesamte Platte interessant und spannend. Auf ‚ 200 Million Thousand ‚ dauert es seine Zeit bis die faszinierenden Melodien aus früheren Tagen zu uns finden und endlich auf ‚ Short Fuse ‚ zur Entfaltung kommen. Erfrischend belebt Ian Saint Pé an der zweiten Gitarre die routinemäßige Standardabfrage und lässt daraus einen unglaublich ansteckenden 1950er Sock-Hop Beat entstehen. Zum Glück verstecken sich auch unter so manch anderem Song anspruchsvolle Pop-Hooks und clevere musikalische Experimente mit heimtückischen Rillen. ‚ Starting Over ‚ entwickelt sich ebenso in diese Richtung wie ‚ Body Combat ‚ und zusammen mit Ihrem amateurhaften Charme muss man diese Band nach den ersten Takten einfach mögen. Ungebremste Spielfreude und ein patentiertes Low-Tech Gerumpel entschädigen für so manch bekannte Töne auf ‚ 200 Million Thousand ‚. Die Anzahl an Stücken ist lang und bei fünfzehn Songs muss man sich als Hörer einfach auf wiederkehrende Muster einstellen. Aber das war schon immer so und ist mittlerweile zu einem echter Wiedererkennungswert mutiert, indem nur das Hitpotenzial diesmal schmerzlichst zurück geschraubt wurde. Echte Kracher wie ‚ I Saw A Ghost ‚, ‚ O Katrina ‚, ‚ Bad Kids ‚ oder die meisterhafte Live Version von ‚ Buried Alive ‚ finden sich nicht mehr, stattdessen ein dichteres Mittelfeld ohne tiefergehende Schwachstellen. Was einem schlussendlich mehr zu sagt, kann jeder selber entscheiden und so haben die Black Kids auch diesmal wieder fast alles richtig gemacht.