Suche läuft …

BELINDA CARLISLE Wilder Shores

2017

Wenn Pop in Mantra übergeht und spirituelle Disziplin zur Klangarchitektur wird: BELINDA CARLISLE verwandelt ihre Stimme auf WILDER SHORES in ein meditatives Ritual zwischen Los Angeles und Rishikesh, das Popästhetik, Mantragesang und persönliche Läuterung zu einem ungewöhnlich stillen Selbstporträt verschmilzt.

Belinda Carlisle war immer mehr als die Frontfrau der Go-Go’s. Ihr Weg von der exzessiven Punk-Szene der späten Siebziger zu einer meditativen Klangsuche ist ein Bogen, der in „Wilder Shores“ eine späte Konsequenz findet. Das Album ist weniger Rückkehr als Selbstbefragung: Acht Stücke, größtenteils in Gurmukhi gesungen, verknüpfen Popstruktur und spirituelle Disziplin. Carlisle nennt sie Mantras, komponiert sie jedoch wie Songs. Zwischen sanfter Akustikgitarre und elektronischem Puls bewegt sich ihre Stimme mit der Gelassenheit einer Sängerin, die nichts mehr beweisen muss. 

Apple Music – Cookies nötig.

„Light of My Soul“ entstand, wie sie sagt, in zwei Minuten auf einem Freeway-Ausgang und klingt tatsächlich wie ein spontanes Gebet, das sich selbst überrascht. Ihre Stimme, gereift und klar, trägt das Album. Wo frühere Produktionen auf Refrain und Radioglanz setzten, vertraut „Wilder Shores“ auf das Kreisen, Wiederholen, das subtile Verschieben kleiner Klangpartikel. „Adi Shakti“ entfaltet sich über fast acht Minuten, was spirituell gemeint ist, aber kompositorisch an die Grenze der Geduld führt. „Har Gobinday“ rettet den Fluss mit einer flirrenden Basslinie, während „Rakhe Rakhan Har“ beinahe pastoral wirkt. 

Die akustische Version von „Heaven Is a Place on Earth“ bildet den bewussten Bruch: Erinnerung an ein anderes Leben, eingebettet in kontemplative Stille. Das Cover, auf dem Carlisle in brokatener Robe in den Himmel blickt, deutet bereits die Spannung zwischen Theatralik und Einkehr an. Der goldrote Stoff wirkt wie ein Symbol jener Übergangszone zwischen Popstar und Suchender. „Sometimes I feel my whole life has been one big whirlwind“, sagt sie. Diese Ruhe, die nun geblieben ist, atmet das Album, auch wenn die ästhetische Strenge manchmal in Monotonie kippt. 

„Wilder Shores“ ist kein Popalbum, das verführt. Es ist ein persönliches Statement, formal mutig, aber klanglich zu gleichförmig, um über die rituelle Funktion hinauszugehen. Die spirituelle Ernsthaftigkeit beeindruckt, musikalisch jedoch bleibt das Werk eher Meditation als Entdeckung.

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Bei einem Kauf erhält MariaStacks eine kleine Provision.

Belinda Carlisle blickt in schwerem goldroten Brokatmantel in den blauen Himmel, hält ein Gebetsband in der Hand, im Hintergrund Schriftzug Wilder Shores.

Belinda Carlisle – Wilder Shores

Jetzt bei JPC kaufen Jetzt bei Amazon kaufen
72
portrait
2017
Wilder Shores
RU-0298-GG

Dieses Album ist innerhalb seiner Stimmung platziert und bewertet. Die folgende Auswahl zeigt Titel derselben Stimmung, die im Ranking darüber oder darunter liegen. Sie dient der Einordnung, nicht der Empfehlung.

landschaft
2018
Lionheart
RU-0294-MO
geometrisch
2007
Our Ill Wills
RU-0295-TS
schriftbild
2013
Junip
RU-0296-TZ
fotografie
2021
Showtunes
RU-0297-AG
schriftbild
2001
Just Enough Education to Perform
RU-0299-MO
portrait
2002
Daybreaker
RU-0300-PR
geometrisch
2012
Provincial
RU-0301-BE
portrait
2013
The Hurry And The Harm
RU-0302-BE