BELINDA CARLISLE Runaway Horses
BELINDA CARLISLE und das ungestillte Verlangen nach Weite und Licht: RUNAWAY HORSES als kunstvoller Spagat zwischen Glanz, Schmerz und popmusikalischer Selbstbehauptung.
„Runaway Horses“ erscheint in einer Zeit, in der Belinda Carlisle längst mehr ist als die einstige Stimme der Go-Go’s. Sie hat die flirrende Energie des kalifornischen New Wave hinter sich gelassen und sucht nun in orchestrierten Poplandschaften nach etwas Bleibendem. Rick Nowels und Ellen Shipley schreiben die meisten Songs, doch Carlisle ist hier weit mehr als bloßes Sprachrohr: Sie gestaltet, trägt, kanalisiert. Ihre Stimme – geschärft durch Erfolg und Enttäuschung – schwingt zwischen Sehnsucht und Beherrschung, fast wie eine Figur, die das eigene Spiegelbild befragt.
„Leave a Light On“, der Auftakt, bringt George Harrison’s Slide-Gitarre ins Spiel, die in eleganter Melancholie über das Arrangement gleitet. Carlisle klingt kontrolliert, beinahe stoisch, während sie von Nähe singt, die immer schon Verlust ahnt. In „Runaway Horses“ wird das Bild des Davonreitens zu einem Sinnbild ihrer Karriere: ein Aufbruch, der keine Richtung kennt, nur Bewegung. „Summer Rain“ trägt Paul Buckmaster’s Streicher, und die orchestrale Fülle steht in reizvollem Kontrast zu den klaren, fast frostigen Höhen ihrer Stimme. Die Romantik, die hier aufscheint, ist keine süße, sondern eine von Abschied und Dauer durchzogene.
Mit „La Luna“ wagt Carlisle das Fremde. Spanische Gitarren, leichte Rhythmen, eine Spur Theatralik. Das Lied will verführen, bleibt jedoch diszipliniert: die Sinnlichkeit einer Sängerin, die sich selbst nicht verliert. Selbst in hymnischen Momenten wie „(We Want) The Same Thing“ oder „Whatever It Takes“ bewahrt das Album einen merkwürdig kontrollierten Puls, ein Bewusstsein für das fragile Gleichgewicht zwischen Pathos und Präzision. Nur „Shades of Michaelangelo“, das sie mit Charlotte Caffey schrieb, öffnet sich ganz. Der Song wirkt wie eine Rückkehr zum Ursprung, getragen von der Vorstellung, dass Kunst Heilung sein könnte.
Herb Ritts’ Schwarzweißfotografie auf dem Cover zeigt Carlisle mit geschlossenen Augen, das Gesicht halb im Licht. Es ist ein Bild von Verletzlichkeit, aber auch Selbstgewissheit. Eine Frau, die Schönheit nicht mehr als Pose begreift, sondern als Überlebensform. Dieses Album ist keine Flucht, sondern eine Disziplinierung des Gefühls. Jedes Arrangement sitzt, jede Geste bleibt kalkuliert.
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