A$AP ROCKY TESTING
A$AP ROCKY’s TESTING als kalkuliertes Risiko zwischen künstlerischem Anspruch, stilistischer Überfrachtung und fehlender innerer Zuspitzung. Ein Album, das Reibung sucht, jedoch selten Richtung findet. Die Experimente sind hörbar, die Konsequenzen bleiben offen.
Etwas kreist permanent um Kontrolle, ohne je ganz greifbar zu werden. Es geht um Versuchsanordnungen, um das Aussetzen von Sicherheiten, um ein bewusstes Spiel mit Instabilität als ästhetischem Prinzip. In diesem Spannungsfeld positioniert sich A$AP Rocky mit „TESTING“, seinem dritten Studioalbum, als Künstler, der weniger an Ergebnissen interessiert wirkt als an Reibung. Nach dem Erfolg früherer Arbeiten und dem Tod von A$AP Yams steht dieses Album unter einem anderen Vorzeichen: Selbststeuerung ersetzt Korrektiv, Intuition verdrängt kuratorische Disziplin.
Diese Haltung prägt bereits den Einstieg. „Distorted Records“ setzt auf rohe Verzerrung und formelhafte Setzung, die mehr behauptet als einlöst. Das ist programmatisch gemeint, bleibt in seiner Symbolik auffällig eindimensional. Ähnlich verfährt „A$AP Forever“, das mit Pathos, prominenten Stimmen und dem Moby-Sample Größe suggeriert, während der innere Zusammenhalt schwankt. Die Energie entsteht weniger aus Rocky’s Texten als aus dem Produktionsrahmen, der dort trägt, wo sein Vortrag zögert.
An dieser Stelle klärt das Albumcover eine zentrale Lesart. Die ringförmige Anordnung schattenhafter Figuren um ein dominantes Logo wirkt wie eine Versuchsanordnung ohne Zentrum. Identität erscheint vervielfacht und zugleich entleert. Dieses Bild spiegelt das Album präzise: Präsenz entsteht durch Inszenierung, nicht durch inhaltliche Zuspitzung. Pose ersetzt Haltung.
Immer dann, wenn „TESTING“ Struktur zulässt, gewinnt es an Schärfe. „Tony Tone“ überzeugt durch Rhythmusgefühl und fokussierten Vortrag, „Praise the Lord (Da Shine)“ lebt von Skepta’s präziser Intervention und einem klar geführten Beat. Auch „OG Beeper“ zeigt, wie effektiv Rocky arbeitet, wenn Erinnerung nicht dekorativ bleibt, sondern funktional eingesetzt wird. Diese Momente belegen musikalisches Gespür, sie bleiben punktuell.
Demgegenüber häufen sich Stücke, die Ideen ansammeln, ohne sie zu formen. „Gunz N Butter“ und „Calldrops“ setzen auf Kollision als Selbstzweck. Das erzeugt Textur und verhindert Entwicklung. Problematisch wird dies, sobald emotionale Ansätze nicht weitergeführt werden. „Changes“ deutet persönliche Bewegung an, verliert sich im eigenen Arrangement. Erst „Purity“ erreicht eine echte Verdichtung. Die Stimmen von Frank Ocean und Lauryn Hill öffnen einen Raum, in dem Rocky’s Zurückhaltung erstmals produktiv wirkt. Hier entsteht Dialog statt Überlagerung.
„TESTING“ will Kunst sein und begnügt sich zu oft mit deren Behauptung. Das Album vertraut auf Atmosphäre und vernachlässigt Konsequenz. Es zeigt Mut zur Offenheit, entzieht sich aber der Verantwortung für das eigene Material. Zurück bleibt ein Werk mit interessanten Fragmenten, dem eine zwingende innere Notwendigkeit fehlt.
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