Bombay Bicycle Club – I Had The Blues But I Shook Them Loose

Im klassischer Manier des Indie Rocks beginnen die Herren vom Bombay Bicycle Club: Mit Schaum vor dem Mund, der postkoitaler Bravour und einer empfindlichen Shoegazer Wärme erinnert das Stück an das selige Ungefühl der Ungewissheit nach dem Aufwachen mit leisem Klang der stürmischen Folgen in den Ohren. Es rumpelt in ‚ Lamplight ‚ und lässt die Stimme von Jack Steadman mal an Paul Banks von Interpol und dann wieder an Devendra Banhart erinnern. Der Bombay Bicycle Club ist trotz der spürbaren Routine in den anfänglichen Minuten, erst seit Anfang August 2008 im Zentrum der Öffentlichkeit. Denn zu diesem Zeitpunkt erschien die erste Single ‚ Evening/ Morning ‚ auf dem Label Young And Lost Club. Davor erschienen zwei EPs, wo bereits einige Tracks Ihres Debüts ‚ I Had The Blues But I Shook Them Loose ‚ zu finden waren. Insgesamt erhalten meist die ersten Platten einer Band am wenigsten Kritik und am meisten Respekt. Zugleich und mit Blick in die Zukunft, wird das Debüt mit den geringsten Verkaufszahlen bedacht. Der Bombay Bicycle Club wird diese Eigenschaften ebenfalls ausfüllen. Sie gehören zu den jungen Teenagern, die gemeinsam eine Mittelklasse Gruppe ins Leben riefen und weder aus Bombay stammen noch Mitglied in einem Fahrrad Club sind. Betrachtet man das Debüt einmal grundlegend und mit allen dazugehörigen Faktoren muss auch erwähnt werden, hier größtenteils eine Sammlung von Gigs und Single Veröffentlichungen der letzten Jahre vorzufinden. Doch stimmt die Qualität, kann man getrost darüber hinweg sehen. Nur leider überzeugen Jack, Jamie, Suren und Ed auf den zwölf Songs den geübten Hörer nicht zur seligen Vollkommenheit. Es fehlen die spritzigen und individuellen Momente. So auch zu hören in dem Stück ‚ Dust On The Ground ‚ mit seinen träumerischen Melodien. Was hier ein wenig bitter aufstößt sind die belanglosen und unmotivierten Zwischenpassagen mit weitläufigen Gitarren, die unangekettet in dunkle Einöden abdriften. Und an dieser Stelle liegt wohl der größte Makel vom Bombay Bicycle Club. Die ausufernden Riffs basieren zwar allesamt auf guten Ansätzen, doch schlussendlich wirkt das Quartett mit den Ausführungen überfordert. Was auf dem Opener ‚ Emergency Contraception Blues ‚ noch wunderbar aufgeht, verliert im Laufe Ihres Debüts immer mehr an Substanz. Einzig Sänger Jack Steadman mit der „Make-or-Break Point“ Stimme überzeugt auf ganzer Linie und erinnert neben Tom Smiths der Editors auch an Orlanda Weeks von den Maccabees, deren Stil oftmals in die zwölf Songs eingeflochten wurde. Angenehm und mit einer sympathischen Leichtigkeit versehen erklingen die Strophen bei der Single ‚ Always Like This ‚. Hymnenartig versucht es der Bombay Bicycle Club mit dem folgenden Stück ‚ Magnet ‚ und landet damit sogar einen kleinen Überraschungserfolg angesichts des gewagten Risikos. Im gesamten Betrachtet bekommt man auf dem Debüt einen berauschenden Ansturm jugendlicher Begeisterung. Es fühlt sich wie betrunken sein an, aber auf eine romantische Art und Weiße. Das Potenzial ist vorhanden und jung sind sie noch dazu. Oder um es mit den Worten von Aristoteles zu formulieren: „Young people are in a condition like permanent intoxication, because youth is sweet and they are growing”.