5 SECONDS OF SUMMER EVERYONE’S A STAR!
5 SECONDS OF SUMMER öffnen auf EVERYONE’S A STAR! ihr eigenes Archiv der popkulturellen Rollenbilder, verwandeln Routine in Risiko, verdichten Clubenergie zu Selbstbefragung und liefern ein Album, das zwischen Reflexion, elektronischer Exzentrik und gewachsenem Songwriting einen ruhelosen, ehrlichen Klangraum formt.
Der Weg dieser Band begann in jugendlicher Aufbruchsstimmung, getragen von frühen Erfolgen, die sie schneller als geplant in eine globale Projektion verwandelten. Aus dieser Phase stammt das Bild einer Gruppe, die in die Schublade des boyish pop punk gesteckt wurde, während ihre spätere Hinwendung zu elektronischen Strukturen einen deutlich ernsteren Kern freilegte. Das neue Album zeigt eine Formation, die aus Soloerfahrungen zurückkehrt, die eigene Vergangenheit seziert und die Frage stellt, was ein Label wie Boyband heute überhaupt bedeutet. Der grelle, fast karikaturhafte Look des Covers wirkt wie eine überspitzte Verlängerung dieser Selbstbefragung.
Die übergroßen Köpfe, die abgeschnürten Körper, die ins Künstliche gezogenen Silhouetten bilden ein humorvoll verzerrtes Abbild der medialen Rollen, aus denen sie sich lösen wollen. Musikalisch mischt sich treibende Elektronik mit Retro Synths, Industrial Gitarren und einer Energie, die eher nach Y2K Club als nach klassischer Bandbesetzung klingt. Der Opener „Everyone’s A Star!“ prescht mit überdrehten Big Beat Anleihen voran, während „NOT OK“ diese Nervosität enger fasst und in einen pulsierenden Takt zwingt. Beides zeigt ein klares Interesse an Tempo, wenngleich der Hang zur Überinszenierung nicht immer elegant wirkt.
„Boyband“ bildet das inhaltliche Zentrum, eine Mischung aus Grooves, Ironie und einer Textzeile wie „Raised on pop punk and bubblegum“, die im Kontext der eigenen Karriere überraschend scharf wirkt. Die Passage „Make me the flavour of the week“ verweist auf die Zerbrechlichkeit eines Images, das jahrelang wie ein Korsett funktionierte. In „No. 1 Obsession“ gelingt der Gruppe eine Verbindung aus Postpunk Schimmer und moderner Popkulisse, jedoch bleibt die Dramaturgie dieses Stücks etwas vorhersehbar. „I’m Scared I’ll Never Sleep Again“ öffnet einen zarteren Raum mit einer Intimität, die stärker wirkt als manches laute Statement.
„Ghost“ setzt diesen introspektiven Fokus fort und erlaubt dem Album an wenigen Stellen einen atmosphärischen Abstand zum Rest, der oft sehr dicht, sehr glänzend und manchmal zu glatt produziert wirkt. Am stärksten wirkt dieses Album in den Momenten, in denen die grelle Fassade kurz flackert und eine ruhigere Wahrheit hervortritt. „EVERYONE’S A STAR!“ zeigt eine Band, die ihre eigene Geschichte nicht mehr fürchtet und endlich den Raum betritt, den sie sich lange versagt hat.
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