Das New Yorker Duo WIDOWSPEAK seziert auf seinem siebten Studioalbum ROSES die Melancholie des Alltags mit gewohnt sanftem Dream-Pop zwischen Nostalgie und klanglicher Konstanz.
Ein ritueller, fast mechanischer Akt steht am Anfang der Betrachtung: das präzise Einschenken von Wasser in die Gläser anonymer Gäste. In dieser vermeintlich unbedeutenden Geste bündelt sich eine Haltung, die das gesamte Werk durchzieht. Es ist die bewusste Hinwendung zum Unscheinbaren, die Abwesenheit jeglicher dramatischen Geste. Die Musik verweigert sich dem Spektakel, sie verharrt in einer beinahe sturen Genügsamkeit. Diese vokale und instrumentale Zurückhaltung ist kein unschuldiges Relikt der Anfangstage mehr. Sie fungiert vielmehr als eine kalkulierte, schützende Fassade.
Das Motiv der Dingpoesie, das bereits die Vorgängerwerke prägte, erfährt durch das visuelle Statement der aktuellen Veröffentlichung eine entscheidende Zuspitzung. Die dornigen Gewächse, die dort in kühlem Blau inszeniert werden, brechen radikal mit der klanglichen Intimität der Musik. Es ist die ostentative Zurschaustellung eines floralen Klischees, eine bewusste Künstlichkeit, die im krassen Gegensatz zur handwerklichen Unmittelbarkeit der Aufnahmen steht. Diese visuelle Behauptung inszeniert eine emotionale Tiefe, welche die Band im Studio durch eine fast schon distanzierte Routine filtert. Die dargebotene Verletzlichkeit ist eine sorgsam kuratierte Pose.
Hinter diesem ästhetischen Schutzwall agieren Widowspeak mit einer berechenbaren Rollenverteilung. Die von Alex Farrar abgemischten Stücke offenbaren eine Dynamik, die sich ganz auf das Zusammenspiel zwischen unaufgeregtem Gesang und punktuellen instrumentalen Ausbrüchen verlässt. Die Songs funktionieren nicht als eigenständige narrative Stationen, sondern als Belege für eine thematische Fixierung. In “Wondering” manifestiert sich diese Statik in den Zeilen: “Working at the diner / Practice talking like people talk to me”. Die eigene Existenz wird als performative Rolle begriffen, die Musik liefert dazu den gleichförmig fließenden Soundtrack.
Diese Verweigerung von Weiterentwicklung oder formalem Risiko führt zu einer seltsamen Starre. Im abschließenden “Hourglass” weicht die zuvor mühsam aufrechterhaltene Ordnung einer klanglichen Ermüdung, wenn das System kollabiert und die Unfähigkeit zur Veränderung thematisiert wird: “Can’t hold too tight or I’ll have nothing / Like a candy melts in your hand”. Die Musik verharrt in einer Zeitschleife, die anfangs noch als zeitlose Qualität faszinierte, sich letztlich aber als goldener Käfig einer Band erweist, die ihre eigene Formel perfektioniert hat, ohne ihr jemals zu entkommen.
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Bei einem Kauf erhält MariaStacks eine kleine Provision.
