DRAKE MAID OF HONOUR
Die Kälte einer ziellosen Clubnacht: DRAKE verliert sich auf seinem neuen Album in unfertigen Rhythmen und orientierungslosen Passagen. Die vermeintliche Vielfalt entpuppt sich als ermüdende Aneinanderreihung unentschlossener Skizzen.
Eine metallische, isolierte Techno-Sequenz bricht unvermittelt durch den Raum. Sie schneidet die gewohnten, flächigen Synthesizer-Polster ab und hinterlässt eine sterile Leere, in der eine einsam modulierende Stimme Halt sucht. Dieses mikrorhythmische Fragment im zweiten Song bildet das ästhetische Epizentrum eines Albums, das seine eigene Zerrüttung zur Schau stellt. Wo frühere Veröffentlichungen zumindest eine stringente Melancholie als Fundament nutzten, regiert hier das Diktat des abrupten Abbruchs.
Das Album präsentiert sich als ein formales System der unverbundenen Übergänge. Die Stimme agiert in diesem Gefüge seltsam funktional, oft bis zur Unkenntlichkeit prozessiert und tief im Mix vergraben, wodurch sie jegliche intime Nähe verweigert. In „Hoe Phase“ kollidieren unvereinbare Rhythmusstrukturen derart stumpf, dass die teleologische Bewegung der Musik vollständig kollabiert. Im direkten Vergleich zu den ausufernden Vorgängerwerken fehlt dieser Produktion die ordnende Hand, die die fragmentierten Ideen zu einem konsistenten Spannungsbogen formt.
Das visuelle Dokument dieser Veröffentlichung radikalisiert diese innere Zerrissenheit, indem es eine bewusste Inszenierung von Künstlichkeit wählt. Die verwaschene, geisterhafte Doppelbelichtung zeigt eine Pose der Vertrautheit, die im harten Widerspruch zur klanglichen Sterilität der Stücke steht. Diese visuelle Behauptung von Intimität fungiert als Maske für ein Album, das zwischenmenschliche Dynamiken nur noch als transaktionale Verbitterung begreifen kann. Wenn in „Cheetah Print“ die von Peggy Gou entliehene House-Struktur durch eine hypersexualisierte, mechanische Hookline entstellt wird, offenbart sich die totale Abwesenheit emotionaler Resonanz.
Besonders deutlich wird die strukturelle Ermüdung in den Momenten, in denen das System versucht, fremde Territorien zu besetzen. Der Gastauftritt von Central Cee in „Which One“ hebt sich durch seine rhythmische Direktheit scharf von der stumpfen Statik des Hauptprotagonisten ab, hinterlässt jedoch nur den Eindruck einer unentschlossenen Stückwerks-Ästhetik. Drake verbleibt in einer Haltung der bloßen Behauptung, während die Produktion in „BBW“ ein wuchtiges Baile-Funk-Fragment ohne jede organische Notwendigkeit an das Ende eines ermüdenden Tracks schraubt.
„We’re stuck, stuck like traffic, stuck“, lautet die repetitive Formel in „Stuck“, die das gestalterische Dilemma des gesamten Werks unfreiwillig auf den Punkt bringt. Die Reduktion der Harmonien führt hier nicht zu einer hypnotischen Dichte, sondern legt lediglich die Ideenarmut der Songstrukturen frei. Selbst das finale „Princess“, das mit einer bitgecrashten Gitarre im Falsett eine raue Intoxikation skizziert, verharrt im Zustand des unfertigen Entwurfs. Am Ende dieser fünfundvierzigminütigen Laufzeit dokumentiert die Musik eine formale Starre, die im Vergleich zur bisherigen Diskografie jede gestalterische Dringlichkeit eingebüßt hat.
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