COLA Cost Of Living Adjustment
Zwischen ökonomischer Erstarrung und klanglicher Weite entfaltet das Montrealer Trio COLA eine Atmosphäre von distanzierter Brillanz. Die Musiker balancieren auf COST OF LIVING ADJUSTMENT zwischen analytischer Schärfe und melancholischer Resignation.
Wenn das Becken in „Forced Position“ zwei Schläge schneller atmet als das restliche Gefüge, manifestiert sich darin eine rhythmische Entscheidung gegen die Bequemlichkeit. Diese gezielte Irritation in der Motorik von Evan Cartwright bildet das Fundament für eine Platte, die sich der reinen Effizienz verweigert. Es ist eine kinetische Energie, die nicht auf Entladung setzt, sondern die Spannung innerhalb der engmaschigen Bassläufe von Ben Stidworthy konserviert. Die Gitarrenarbeit wirkt dabei weniger wie eine Begleitung, eher wie eine feinkörnige Verzerrung, die sich über die funktionalen Strukturen legt.
Diese künstliche Distanz spiegelt sich in der visuellen Rahmung des Artworks wider, in der die Figur eines Mannes vor einer geschlossenen Tür verharrt, während sein eigenes Konterfei als museales Objekt isoliert im Raum steht. Es ist die perfekte Entsprechung zur lyrischen Haltung von Cola, die eine radikale Trennung zwischen dem Erleben und der Beobachtung des Erlebens vollzieht. Das Porträt auf dem Cover klärt die Pose des Albums: Eine bewusste Fragmentierung des Ichs, die den Bruch zwischen der ökonomischen Notwendigkeit einer Anpassung und der persönlichen Desintegration thematisiert.
Tim Darcy agiert in diesen Arrangements mit einer neuen, fast schon wehrlosen Melodik, die seine frühere Neigung zum Sprechgesang ablöst. In „Conflagration Mindset“ erreicht diese Entwicklung einen Nullpunkt der Ironie, wenn er mit einer für ihn ungewohnten Direktheit fragt: „Is there some way to save the records?“. Diese Zeile fungiert nicht als bloßes Bild für materiellen Verlust, sondern analysiert das Verschwinden der eigenen Identität unter dem Druck äußerer Katastrophen. Die Produktion von Valentin Ignat unterstützt diesen Prozess durch eine Tiefenstaffelung, die den Songs trotz ihrer post-punkigen Skeletierung eine ungekannte Räumlichkeit verleiht.
Wo frühere Veröffentlichungen noch in einer spartanischen Genügsamkeit verharrten, lässt „Third Double“ nun eine Shoegaze-Ästhetik zu, die das System Cola fast zum Einsturz bringt. Die strukturelle Strenge wird hier durch Rückkopplungen unterwandert, was die Dynamik des Albums von einer bloßen Fortführung zu einer strategischen Expansion verschiebt. Es bleibt die Erkenntnis einer unauflösbaren Situation, die Darcy in „Satre-torial“ trocken als „all eros and ones, all digits no thumbs“ zusammenfasst. Die anfängliche Beschleunigung des Schlagzeugs findet keine Erlösung, sie wird lediglich zum dauerhaften Zustand einer Welt, die sich längst ohne ihre Bewohner dreht.
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