Eine orchestrale Überforderung zwischen euphorisierter Destruktion und klanglichem Exzess lässt die kanadische Formation BROKEN SOCIAL SCENE auf ihrem selbstbetitelten Album an den Grenzen des Indierock rütteln. Das Werk zelebriert die Unordnung als ästhetisches Prinzip und verdichtet mühsam gebändigte Energie zu einer atmosphärischen Wand aus gleißendem Rauschen.
Das erste, was sich dem Gehör aufdrängt, ist eine bewusste Entscheidung zur Unschärfe. Inmitten einer beispiellosen Instrumentenflut verliert das Schlagzeug in “7/4 (Shoreline)” seine ordnende Funktion und kapituliert vor einer Wand aus Rauschen, die uns desorientiert zurücklässt. Diese klangliche Überwältigung wirkt wie eine akustische Entsprechung des Covers: Die grob skizzierten, schwarzen Häuserfronten ducken sich unter einem Himmel, der in einem aggressiven, fast gewalttätigen Rot und Orange in Flammen steht. Es ist die visuelle Vorahnung einer Stadt, die in kollektiver Ekstase verglüht, während die Musik genau diesen Moment der Auflösung konserviert. Jede mikrorhythmische Präzision, die auf dem Vorgänger noch das Fundament bildete, wird hier zugunsten eines ungestümen Flusses geopfert.
Diese wendige und fließende Haltung zieht sich durch das gesamte Album von Broken Social Scene. Während der Einstieg “Our Faces Split the Coast in Half” noch stolpert und sich mühsam aufrichtet, markiert “Ibi Dreams of Pavement (A Better Day)” den ersten echten Belastungstest für das formale System der Band. Die Gitarren heulen wie Sirenen auf, eine Warnung vor dem pile-on der Verzerrung, die jeden Textfetzen unter sich begräbt. “Don’t get high on what you create / Or it might just steal ya” hallt es durch den Nebel, eine fast prophetische Zeile über die Gefahr, in der eigenen Opulenz zu ertrinken. David Newfeld treibt die Produktion in eine Räumlichkeit, die gleichzeitig klaustrophobisch eng und unendlich weit erscheint, was die mühsam aufrechterhaltene Kontinuität des Kollektivs immer wieder an den Rand des Zusammenbruchs führt.
Die Reduktion auf das Intime bleibt die Ausnahme, etwa in “Major Label Debut”, wo die akustische Transparenz kurzzeitig zurückkehrt, nur um im nächsten Moment wieder von der Masse an Mitwirkenden verdrängt zu werden. In Stücken wie “Windsurfing Nation” oder dem ausschweifenden “Bandwitch” droht das System zu kippen, wenn die Lust am Jammen die strukturelle Notwendigkeit überlagert. Hier zeigt sich die Kehrseite dieser Expansion: Die Songs drohen ineinander zu fließen, bis die Orientierung gänzlich verloren geht. Doch gerade in diesem Taumel liegt die Substanz. “It’s All Gonna Break” schließt das Album als brisantes Epos ab, das mit der Zeile “and you all want the lovely music to save your lives” die Sehnsucht nach Erlösung adressiert, während die Musik selbst bereits in ihre Einzelteile zerfällt. Es bleibt ein Dokument der Selbstbehauptung gegen die eigene Perfektion.
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